Arbeitslos – beschäftigt – und wieder arbeitslos? Wie gelingt ein dauerhafter Übergang von Arbeitslosigkeit in Beschäftigung?

von Dr. Monika Senghaas und Dr. Katrin Hohmeyer, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Auch wenn die Arbeitsmarktlage in Deutschland insgesamt robust ist, gibt es Menschen, die nicht von der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren. Im Juni 2022 waren in Deutschland rund 2,4 Millionen Menschen bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet. Etwa Knapp zwei Drittel von ihnen bezogen Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende, das sogenannte Arbeitslosengeld II, besser bekannt als „Hartz IV“. Sie werden in einem der bundesweit rund 400 Jobcenter betreut.
In der öffentlichen Diskussion geht es oft um Langzeitarbeitslosigkeit, wenn über Arbeitslosengeld-II-Beziehende gesprochen wird. Daneben gibt es aber auch viele Arbeitslosengeld-II-Beziehende, die immer wieder Beschäftigungen aufnehmen, doch diese Beschäftigungen enden nach kurzer Zeit wieder. Es folgen also auf kurze Phasen der Beschäftigung erneut Arbeitslosigkeit und Leistungsbezug. So dauerten beispielsweise fast die Hälfte der Beschäftigungen, die Arbeitslosengeld-II-Beziehende im Jahr 2013 aufgenommen haben, kürzer als sechs Monate (Bruckmeier/Hohmeyer 2018). Das ist problematisch, weil wiederholte Phasen der Arbeitslosigkeit zukünftige Erwerbschancen verringern und das Risiko der Altersarmut erhöhen können. Kurze Beschäftigungsdauern können verschiedene Gründe haben. So kann beispielsweise die Stelle von vornherein befristet sein oder Arbeitgeber:innen oder Arbeitnehmer:innen kündigen das Beschäftigungsverhältnis nach kurzer Zeit.
Von häufigen Wechseln zwischen kurzfristiger Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind unter anderem Menschen mit niedriger Schul- oder Berufsbildung besonders betroffen (Dengler et al. 2021). Ob eine Beschäftigung stabil ist, hängt zudem von den Arbeitsbedingungen ab. Ehemals Langzeitarbeitslose sind beispielsweise dann stabiler beschäftigt, wenn sie eine Stelle in einem größeren Betrieb aufgenommen haben, wenn sie Wertschätzung durch Vorgesetzte erfahren und wenn sie mit ihrer Tätigkeit zufrieden sind (Umkehrer 2020).

Wie kann eine stabile Integration Arbeitsloser in Erwerbsarbeit gelingen?

Wie können zum Beispiel Menschen, die aus dem Arbeitslosengeld-II-Bezug eine Beschäftigung aufnehmen, unterstützt werden?

Und wo kann man innerhalb von Betrieben ansetzen, um ehemals Arbeitslose dauerhaft zu beschäftigten?

Wie kann die Beratung und Vermittlung Arbeitsloser in Jobcentern eine dauerhafte Beschäftigungsaufnahme unterstützen?

Diesen und ähnlichen Fragen könnte sich ein spannendes YES!-Projekt widmen.

Must-Read Literatur

Dengler, Katharina; Hohmeyer, Katrin; Zabel, Cordula (2021): Erwerbslose in der Grundsicherung: Welche Faktoren begünstigen die Aufnahme stabiler Beschäftigungsverhältnisse?. In: IAB-Forum, 13.01.2021.

Weitere Literaturvorschläge

Freier, Carolin; Senghaas, Monika (2021): Arbeitsvermittlung zwischen Nachhaltigkeit und Abbildbarkeit. Wie Vermittlungsfachkräfte Entscheidungsspielräume nutzen. Soziale Welt 72(2): 113-138.

Hirseland, Andreas; Kerschbaumer, Lukas; Küsters, Ivonne; Trappmann, Mark (2019): Langzeitleistungsbeziehende im SGB II: Unerwartete Übergänge in bedarfsdeckende Arbeit. IAB-Kurzbericht 20/2019, Nürnberg.

Pohlan, Laura; Rothe, Thomas (2020): Personalrekrutierung von Beschäftigten, Kurz- und Langzeitarbeitslosen: Unterschiede bei Besetzungswegen und Beschäftigungsqualität. IAB-Kurzbericht 06/2020.

Umkehrer, Matthias (2020): Wiedereinstieg nach Langzeitarbeitslosigkeit: Welche Arbeitsverhältnisse sind stabil, welche nicht?. IAB-Kurzbericht 15/2020.

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Das Thema wird betreut von

Dr. Monika SenghaasDr. Monika Senghaas ist Sozialwissenschaftlerin und promovierte an der Universität Leipzig. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAB und beschäftigt sich mit der Beratung und Vermittlung Arbeitsloser sowie den Grundlagen und dem Wandel sozialer Sicherung.

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Katrin Hohmeyer

Dr. Katrin Hohmeyer arbeitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in der Forschungsgruppe „Grundsicherungsbezug und Arbeitsmarkt“. Sie hat zum Thema „Selektivität und Wirkungen von Teilnahmen an öffentlich geförderter Beschäftigung im SGB II“ an der Universität Erlangen-Nürnberg promoviert. Ihr Forschungsschwerpunkt sind Leistungsbezugs- und Erwerbsverläufe von Arbeitslosengeld-II-Beziehenden.