Tourist:innen versus Einheimische: Kann digitale Transformation die Tourismusakzeptanz steigern und einen attraktiveren Lebensraum schaffen?

von Julian Philipp, Madlen Schwing und Hannah Zehren, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Seit Mitte der 2010er Jahre wird zunehmend über das Phänomen Overtourism diskutiert. Mit Overtourism ist die Wahrnehmung von „zu viel“ Tourismus gemeint. Auf der einen Seite fühlt sich die einheimische Bevölkerung gestört und nicht mehr wohl im eigenen Lebensraum; andererseits sinkt auch die Urlaubsqualität der Besucher:innen (Pechlaner et al., 2018). Der Zusammenhang zwischen Tourismus und Lebensqualität in Tourismusdestinationen ist eine zentrale Herausforderung (Pechlaner et al., 2019), zumal die Tourismusakzeptanz an vielen Orten abnimmt. Schon seit einigen Jahren wird versucht, mithilfe digitaler Tools, wie z. B. dem Ausflugsticker Bayern oder der Strandampel in der Lübecker Bucht (Bayern Tourismus Marketing GmbH, o. J.; Tourismus-Agentur Lübecker Bucht, 2022), Besucher zu lenken, Massentourismus zu reduzieren und so die Akzeptanz für Tourismus zu steigern. Allerdings stecken diese digitalen Entwicklungen noch in den Kinderschuhen (Thees et al., 2020). Langfristig werden Konzepte benötigt, mit denen Destinationen und Lebensraum in Einklang gebracht werden können, um so resiliente (d. h. widerstands- und anpassungsfähige) Destinationen zu schaffen (Zacher & Gavriljuk, 2021). Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen:

• Wie kann Tourismusakzeptanz in Regionen, betroffen von Massentourismus, gesteigert werden?
• Wie können Tourismusdestinationen und Lebensraum in Einklang gebracht werden?
• Wie kann die digitale Transformation die Tourismusakzeptanz steigern?
• Wie kann die digitale Transformation den Tourismus resilienter und nachhaltiger machen?

Must-Read Literatur

Deutsches Institut für Tourismusforschung (FH Westküste) & Deutscher Tourismusverband (2022), Tourismus im Einklang mit den Einheimischen vor Ort möglich machen: Maßnahmen zur Förderung der Tourismusakzeptanz. Heide & Berlin.

Eckert, C., Zacher, D., Pechlaner, H., Namberger, P. & Schmude, J. (2019) Strategies and measures directed towards overtourism: a perspective of European DMOs. International Journal of Tourism Cities, 5(4), S. 639-655.

Weitere Literaturvorschläge

Bayern Tourismus Marketing GmbH (o. J.): https://www.ausflugsticker.bayern/

Pechlaner, H., Eckert, C., & Olbrich, N. (2018). Zu viel Tourismus? Lösungsansätze zu Overcrowding und Overtourism. Tourismus Wissen-Quarterly: Wissenschaftliches Magazin Für Touristisches Know-How(14), S. 291–297.

Pechlaner, H., Zacher, D., Gavriljuk, E., & Eckert, C. (2019). Does the Living Space Prevent Destination Development? The Bavarian Town of Eichstaett as a Space of Possibilities. In M. Volgger & D. Pfister (Hrsg.), Advances in Culture, Tourism and Hospitality Research. Atmospheric Turn in Culture and Tourism: Place, Design and Process Impacts on Customer Behaviour, Marketing and Branding. Emerald Publishing Limited, S. 209-222.

Thees, H., Pechlaner, H., Thiele, F. (2020). Tourismus in Deutschland 2030 – Chancen und Herausforderung der Digitalisierung. In: Bieger, Thomas ; Beritelli, Pietro ; Laesser, Christian (Hrsg.): Innovative Konzepte im alpinen Tourismus. – Berlin : ESV-Verlag, 2020. – S. 11-24. – (Schweizer Jahrbuch für Tourismus ; 2019/20) ISBN 978-3-503-19167-3

Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (2022): https://www.luebecker-bucht-ostsee.de/strandticker

Zacher, D., Gavriljuk, E. (2021). Developing Resilience Understanding as a Tool for Regional and Tourism Development in Bavaria. In: Wink, Rüdiger (Hrsg.): Economic Resilience in Regions and Organisations : Studien zur Resilienzforschung. – Leipzig : Springer, 2021. – S. 195-219 ISBN 978-3-658-33078-1 ; 3-658-33078-3

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Philipp Julian

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Nach seinem Studium der „Wirtschaftswissenschaften“ (B.Sc.) an der Bergischen Universität Wuppertal mit einem Auslandssemester an der San Diego State University in Kalifornien sammelte Julian Philipp Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen, unter anderem Marketing, Eventorganisation, Lehre und Kundenberatung. Anschließend absolvierte er den Masterstudiengang „International Hospitality, Events and Tourism Management“ (M.Sc.) an der Oxford Brookes University mit Auszeichnung.
Seit 2020 ist Julian Philipp wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Tourismus / Zentrum für Entrepreneurship am Standort Ingolstadt.
Seine Forschungsschwerpunkte sind Destinationsentwicklung, integriertes Standort-, Stadt- und Destinationsmanagement, gemeindebasierter Tourismus (CBT) & Community Development, Overtourism, Entrepreneurial Destinations & Lifestyle Entrepreneurship sowie Entrepreneurship & Entrepreneurial Ecosystems.

Madlen Schwing

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Madlen Schwing ist seit Juli 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Tourismus / Zentrum für Entrepreneurship der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am Standort Ingolstadt tätig.
Zuvor hat sie umfangreiche Berufserfahrung im In- und Ausland in diversen Management-Positionen, u.a. bei den Reiseveranstaltern DER Touristik und Thomas Cook, gesammelt. Bereits während ihrer Zeit bei einer Unternehmensberatung hat Madlen Schwing im Bereich Entrepreneurship gearbeitet und eine Ausbildung zur zertifizierten Projektmanagementfachfrau absolviert.
Ihr Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit einem Auslandssemester an der Corvinus University in Budapest hat sie erfolgreich mit Diplom abgeschlossen und ihre Diplomarbeit zum Thema Seriengründer verfasst.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Female Entrepreneurship und Female Leadership, Touristikmanagement sowie die digitale Transformation.

Hannah Zehren

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Hannah Zehren ist seit Oktober 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Tourismus / Zentrum für Entrepreneurship der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am Standort Eichstätt tätig. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Geographiestudiums (B.Sc.) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn absolvierte sie den Masterstudiengang „Responsible Tourism Management“ (M.Sc.) an der Leeds Beckett University.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Responsible Tourism, Destinationsmarketing und -management und nachhaltige Regionalentwicklung.