YES Team

Über YES Team

Der Autor hat bisher keine Details angegeben.
Bisher hat YES Team, 115 Blog Beiträge geschrieben.

Wie sieht eine moderne Studien- und Berufsberatung aus?

Wie sieht eine moderne Studien- und Berufsberatung aus?

von Friederike Hertweck und Serife Yasar, RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Auf der einen Seite erleben wir einen Fachkräftemangel, der nicht nur informatisch-technische Berufe umfasst, sondern auch Schulen und Pflegeeinrichtungen trifft. Gleichzeitig gibt es weiterhin geschlechtsspezifische Lohnunterschiede, das sogenannte Gender Pay Gap. Und nicht zuletzt zeigen viele Umfragen, dass immer mehr (junge) Menschen in Deutschland gerne weniger arbeiten würden [1].

In diesem sich wandelnden System schließen junge Leute ihre Schulzeit ab, beginnen eine Ausbildung oder ein Studium und qualifizieren sich so für eine zukünftige Erwerbstätigkeit. Doch die Fülle an Informationen zu möglichen Berufen hilft nicht unbedingt bei der Berufswahl – es fehlt der Durchblick [2]. Dieses YES!-Projekt soll sich mit der Studien- und Berufswahl junger Menschen befassen.

  • Wie informieren sich Jugendliche über Ausbildungsberufe? Welche Informationsquellen für die Studienwahl werden genutzt?
  • Wie sähe eine gute Informationsbereitstellung aus?
  • Welche Faktoren beeinflussen die Studien- und Berufswahl?
  • Welche Rollen spielen die Eltern oder deren Berufe?
  • Gibt es regionale Unterschiede, z.B. zwischen strukturschwachen und strukturstärkeren Regionen?
  • Was ist jungen Leuten für ihren späteren Beruf wichtig?
  • Wie beeinflussen die globalen Krisen die Studien- und Berufswahl?
Must-Read Literatur

[1] https://www.watson.de/leben/exklusiv/544163751-umfrage-junge-menschen-wollen-mehr-freizeit-statt-mehr-arbeit-und-mehr-geld

[2] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2022/juli/mehrheit-der-jugendlichen-fehlt-der-durchblick-bei-der-berufswahl

https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null

Partnerinstitute

Logo RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Das Thema wird betreut von

Friederike Hertweck

Foto: RWI

Dr. Friederike Hertweck ist seit Oktober 2020 Wissenschaftlerin am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Zuvor hat sie im Bereich der Hochschulökonomik an der Universität Bozen in Italien promoviert. In ihrer Forschung befasst sie sich schwerpunktmäßig mit Bildungsentscheidungen sowie den institutionellen Rahmenbedingungen im Hochschulbereich wie beispielsweise Studiengebühren und Zulassungsverfahren.

Trenner

Serife Yasar

Foto: RWI

Serife Yasar ist seit Oktober 2021 als Doktorandin im Kompetenzbereich „Arbeitsmärkte, Bildung, Bevölkerung“ des RWI tätig und seit 2020 Stipendiatin der RGS Econ. Sie studierte Volkswirtschaftslehre (M.Sc. 2020) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Betriebswirtschaftslehre (B.Sc. 2018) an der Universität Duisburg-Essen. Anschließend nahm sie das Postgraduiertenstudium an der Ruhr Graduate School in Economics auf. Seitdem promoviert sie an der Ruhr-Universität Bochum unter der Betreuung von Prof. Dr. Thomas K. Bauer.

Wie sieht eine moderne Studien- und Berufsberatung aus?2023-11-22T16:06:57+01:00

Helene-Lange-Gymnasium Rendsburg

Helene-Lange-Gymnasium Rendsburg

3. Platz YES! 2023

Tierwohl belohnen, Qualität fördern: Gemeinsam für eine tiergerechte Zukunft

Momentan stammen über 90% des in Deutschland verzehrten Fleisches aus Massen- & Intensivhaltung. Die Bedingungen in diesen Ställen sind schrecklich: Hühner zum Beispiel verbringen oft ihr gesamtes Leben auf einer Fläche von zwei DIN-A4 Seiten (1.100 cm2 pro Tier) und werden oft so stark gemästet, dass ihre Knochen brechen. Aufgrund des Platzmangels attackieren sich sowohl Kühe als auch Schweine oftmals gegenseitig und ihre offenen Wunden entzünden sich, da sie in ihren eigenen Ausscheidungen stehen. Der resultierende extreme Antibiotikakonsum schadet auch den Konsumenten dieser Produkte.

Unser Ziel ist es, das Verbraucherverhalten zu verbessern und umzulenken: Weg von der Intensiv- & Massentierhaltung, hin zu einer bewussten, artgerechten Tierhaltung. Es gibt bereits das „Haltungsformen-Siegel“ welches die Tierhaltung anhand zahlreicher Kriterien in die Kategorien 1-4 einteilt. Dieses Siegel möchten wir für unsere Idee nutzen und ausbauen. Denn die Konsumenten sind bezüglich der Haltungsformen nicht ausreichend aufgeklärt. Ihnen ist zwar bewusst, dass billiges Fleisch aus Kategorie 1 schlechtere Bedingungen für Tiere aufweist als das teurere Fleisch aus Kategorie 4, trotzdem wird nicht deutlich, WIE schlecht die Bedingungen wirklich sind. Daher unsere Idee: Schockbilder auf Tierprodukten! 

Orientiert an Zigaretten-Schockbildern (die in fast allen teilnehmenden Ländern Wirkung zeigen) möchten wir auf jedes Fleischprodukt ein Symbolbild drucken was einen typischen Stall der jeweiligen Haltungsform von innen zeigt. Durch diese Verbildlichung der Haltungsformen möchten wir die Nachfrage nach Fleisch aus Haltungsform 1 & 2 auf Haltungsform 3 & 4 verlagern (Emotional Framing). Voraussetzung dafür ist eine gesetzliche Verpflichtung zur Kennzeichnung der Haltungsform, nicht nur bei Schweinefleisch.
Um diese erhöhte Nachfrage nach „gutem“ Fleisch auch decken zu können müssen wir Landwirten weitere Anreize geben, um auf artgerechte Haltung umzusteigen, denn: Aus ökonomischer Sicht ist artgerechte Haltung momentan unattraktiv. Wir möchten eine Tierwohlsteuer einführen, bei welcher die Abgaben stets sinken, desto mehr Platz ein Landwirt seinen Tieren gibt (Abgabe nach Tieren pro m2).
Gleichzeitig möchten wir eine Weideprämie auszahlen, wenn Tiere auf die Weide gelassen werden, damit möglichst viele Tiere ein Leben im „Freien“ genießen können.
Uns ist bewusst, dass viele Landwirte nicht die finanziellen Mittel haben, um ihren Hof so umzustrukturieren, dass artgerechte Haltung möglich ist. Deshalb möchten wir mit dem Erlös aus der Tierwohlsteuer Geld bereitstellen, um Landwirten bei der Umstrukturierung ihrer Höfe unter die Arme zu greifen.

Wie sieht die Produktion von Tierprodukten in der Zukunft aus?

von Anette Ruml, Lisa Hoffmann und Katharina Fietz, GIGA – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien

Unsere Gesellschaft diskutiert die Produktion und den Konsum von Tierprodukten wie Fleisch, Milch und Eiern sehr kontrovers. Das liegt daran, dass es in der Tierproduktion Zielkonflikte zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen gibt, die schwierig miteinander vereinbar sind. Dies sind die ökonomischen, ökologischen, tierwohlbezogenen und gesundheitlichen Dimensionen.

Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, dass Gewinne erzielt werden, ohne die benötigten Ressourcen für die Gewinnerzielung langfristig zu schädigen. Fleisch-, andere Tierprodukt- und Futterindustrien sind bedeutende Bestandteile unserer Wirtschaft und stellen eine wichtige Einkommensquelle für Bäuerinnen und Bauern dar. Gleichzeitig ist es für Landwirt*innen immer schwieriger, ihre Betriebe profitabel zu betreiben—weitere Auflagen wie eine zusätzliche Besteuerung oder die bauliche Veränderung von Ställen stößt hier häufig auf Kritik.

Ökologisch nachhaltig sind diese Industrien nicht, da die Produktion von Tierprodukten deutlich klimaschädlicher ist als die Produktion pflanzlicher Produkte. Das beinhaltet nicht nur die Ausstoßung von Treibhausgasen, sondern auch die Auswirkungen auf den landwirtschaftlich genutzten Boden. Besonders die Massentierhaltung ist darauf ausgelegt, mehr und günstiger (auf weniger Raum) für den Exportmarkt zu produzieren.

Zu den negativen Auswirkungen auf das Klima kommt hinzu, dass die Tiere (besonders in der Massentierhaltung) oft unter schlechten Bedingungen gehalten werden. Alternativen zur aktuellen Massentierhaltung bieten bislang nur kleinere Biobetriebe, allerdings sind lediglich 13,4% aller Landwirtschaftsbetriebe Bio-Höfe. Für Kosument*innen sind die Herstellungsbedingungen von Fleischprodukten nicht klar zu erkennen. Obwohl einige Labels, wie z.B. das Bio-Siegel, die Initiative Tierwohl oder die Haltungsformkennzeichnung uneinheitliche Informationen bieten, gibt es in Deutschland bislang kein verbindliches staatliches Siegel. Die Einführung eines solchen bundesweiten Siegels wird derzeit aber stark diskutiert. In den einzelnen Bundesländern gibt es regionale Initiativen, so z.B. die Tierwohl-Initiative des Bauernverbands Schleswig-Holstein, die sich mit Themen wie der Schlachtung von trächtigen Rindern, Enthornung, Ferkelkastration, Schnäbel kürzen und Küken töten beschäftigt. Das Agrarinvestitionsförderungsprogramm besteht aus einer Förderung für Betriebe, die Investitionen in eine besonders artgerechte Tierhaltung durchführen und besondere Anforderungen in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz erfüllen.
Schließlich gibt es gesundheitliche Aspekte: Generell gilt, dass täglicher Fleischkonsum weder nötig noch empfehlenswert ist. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Gleichzeitig empfiehlt sie jedoch, täglich Milch oder Milchprodukte zu sich zu nehmen und ein- bis zweimal die Woche Fisch zu essen.

In Deutschland geht der durchschnittliche Fleischkonsum seit Jahren zurück und immer mehr Bürger*innen fordern „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, ernähren sich vegetarisch oder vegan, achten auf die Herstellung der Fleisch- und Tierprodukte und fordern zum Teil sogar eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, um den Konsum weiter einzudämmen. Von Seiten der Forschung werden alternative Produktionsmodelle, wie z.B. die Kreislaufökonomie, technologische Innovationen und mehr Diversität in Agrarbetrieben diskutiert und untersucht. Vereinzelt setzen Bauern auf proaktives Marketing, etwa auf Instagram, um das tägliche Leben von Bauern zu erklären (z.B. Deichdeern).

Die Produktion von tierischen Lebensmitteln steht somit vor verschiedenen Herausforderungen. Einerseits muss sie ökologischer werden. Andererseits muss sie sich an eine sich verändernde Ernährungsweise anpassen und gleichzeitig die ökonomischen und die tierwohlbezogenen Dimensionen miteinbeziehen. Es gibt also viele mögliche Ansatzpunkte, die Produktion tierischer Lebensmittel in Zukunft neu zu gestalten.


GIGA – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien

Anette Ruml

Dr. Anette Ruml arbeitet am German Institute for Global and Area Studies. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Rolle verschiedener Produzenten in globalen Wertschöpfungsketten und die sozioökonomischen (und ökologischen) Effekte verschiedener Organisationsmodelle. Sie hat an der Universität Göttingen zum Thema Integration von Kleinbauern in Wertschöpfungsketten durch Vertragslandwirtschaft promoviert.

Lisa HoffmannDr. Lisa Hoffmann arbeitet am GIGA Institut für Afrika-Studien in Hamburg. Sie hat zum Thema „Sozialer Zusammenhalt in Subsahara-Afrika“ promoviert und im Rahmen der Promotion Feldforschung in Ghana, Kenia, Liberia und Tansania durchgeführt. Momentan beschäftigt sie sich mit der Rolle von Religion für Frieden, Konflikt und Entwicklung.

Katharina Fietz
Katharina Fietz ist Doktorandin am German Institute for Global and Area Studies und an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre aktuelle Forschung fokussiert sich auf soziale Absicherungssysteme und Arbeitsmärkte. Katharina hat an der NOVA School of Business and Economics ihren Master in Volkswirtschaftslehre absolviert und im Anschluss zwei Jahre bei der Weltbank gearbeitet.

Helene-Lange-Gymnasium Rendsburg2023-09-21T09:03:45+02:00

Wie uns unsere Städte krank machen und was wir dagegen tun können

Wie uns unsere Städte krank machen und was wir dagegen tun können

von Johannes Hollenbach, Daniel Monsees, RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Weltweit zieht es immer mehr Menschen in Städte und auch in Deutschland hält dieser Trend weiter an. Dafür gibt es auch viele gute Gründe; das Leben in der Stadt ist aufregend und vielseitig und das große Angebot erlaubt es uns, unsere Individualität auszuleben. Aber neben den vielen Vorteilen gibt es auch Schattenseiten. So wie unsere Städte zurzeit funktionieren, sind sie höchstwahrscheinlich schlecht für unsere Gesundheit; sowohl für die körperliche als auch die psychische.

Menschen, die in Städten leben haben ein höheres Risiko, an Stress und damit verbunden an Angstzuständen, Depression oder Schizophrenie zu leiden als in ländlichen Regionen. Auch Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Herzkreislauferkrankungen können häufiger auftreten. Forschung zu diesem Thema zeigt, dass sowohl die Umstände des Lebens in der Stadt wie Luftverschmutzung und Lärm, als auch die Lebensweise direkt dafür verantwortlich gemacht werden können. Bei dem „schnellen Leben“ in Städten treffen viele Menschen auf engem Raum aufeinander. Gleichzeitig ist das Miteinander anonymer und das Risiko sozialer Isolation ist größer.

Es gibt bereits viele Lösungsvorschläge, um Luftverschmutzung einzudämmen. Beispielsweise wurden 2007 in Deutschland sogenannte „Umweltzonen“ in Ballungsräumen eingeführt, die besonders schmutzige Autos ausschließen. Das hat zu einem wirkungsvollen Rückgang der Stickoxid- und Feinstaubbelastung geführt und sich positiv auf die Gesundheit der Menschen in diesen Zonen ausgewirkt. Vorreiter bei der Vermeidung von Emissionen, Verkehr und Lärm sind allerdings die Niederlande und Belgien mit systematischen Strategien, die Menschen gesünder zu machen und ihre Lebensqualität zu steigern sollen. So sind viele Innenstädte niederländischer Städte fast komplett frei von Autos, es gibt guten Nahverkehr und eine ausgebaute Infrastruktur für Fahrräder. Lärmschutz wird ernst genommen. Maßnahmen gegen soziale Isolation und Vereinsamung sind allerdings noch nicht so etabliert.

Das Thema ist sehr vielseitig und der Bedarf nach wirkungsvollen und umsetzbaren Lösungsvorschlägen in Deutschland ist sehr groß. Es bietet sich an, sich dem Thema über die krankmachenden Hauptursachen zu nähern, die wir in drei Kategorien einteilen: Luftverschmutzung, Lärm und Stress. Da es für jedes der genannten Probleme bereits viele Lösungsansätze gibt, bietet es sich an, bestehende Ideen zu verbessern, oder auch zu überlegen, wie sich eine Idee, die euch besonders zusagt, in euer Region umsetzen ließe.

Must-Read Literatur

Luftverschmutzung

Umwelt im Unterricht (2017). Thema des Monats – Luftqualität in Städten. Online verfügbar unter <https://www.umwelt-im-unterricht.de/wochenthemen/luftqualitaet-in-staedten/>. Abgerufen am 10.08.2023.

Urban Mobility Explained (2023, 20. Juni). How does the city of Antwerp fight against air pollution?. YouTube. <https://www.youtube.com/watch?v=NSh_cAYZ1UE>

European Environment Agency (2023). European city air quality viewer. Online verfügbar unter: <https://www.eea.europa.eu/themes/air/urban-air-quality/european-city-air-quality-viewer>. Abgerufen am 10.08.2023.

Lärm

European Environment Agency (2020). Die Belastung durch Lärm ist ein erhebliches Problem – für die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Online verfügbar unter <https://www.eea.europa.eu/de/articles/die-belastung-durch-laerm-ist>. Abgerufen am 10.08.2023.

Urban Mobility Explained (2022, 01. November). How to reduce noise pollution in cities? | The Quiet Brussels Plan. YouTube. <https://www.youtube.com/watch?v=Ie8c2pAmwUw>

Not Just Bikes (2021, 28. Juni). Cities Aren’t Loud: Cars Are Loud. YouTube. <https://www.youtube.com/watch?v=CTV-wwszGw8>

Stress

Adli, M., Schöndorf, J. Macht uns die Stadt krank? Wirkung von Stadtstress auf Emotionen, Verhalten und psychische Gesundheit. Bundesgesundheitsblatt 63, 979–986 (2020). https://doi.org/10.1007/s00103-020-03185-w

Partnerinstitut

Logo RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Das Thema wird betreut von

Johannes Hollenbach

Foto: RWI/Sven Lorenz

Johannes Hollenbach ist seit April 2021 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzbereich Gesundheit des RWI tätig. Zuvor studierte er Economics (M.Sc. in 2021) und Internationale Wirtschaft und Entwicklung (B.A. in 2018) an der Universität Bayreuth und absolvierte ein Auslandssemester an der Ajou University in Korea. Während seines Masterstudiums arbeitete er zudem als wissenschaftliche Hilfskraft an den Lehrstühlen für Entwicklungsökonomik und Institutionenökonomik an der Universität Bayreuth. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der angewandten Mikroökonometrie und Politikanalyse in Gesundheits- und Bildungsökonomik. In diesem Zusammenhang forscht er insbesondere zu alternder Gesellschaft, geistiger Gesundheit und Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt.

Daniel Monsees

Foto: RWI/Sven Lorenz

Daniel Monsees ist seit August 2021 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzbereich „Gesundheit“ tätig. Zuvor studierte er Volkswirtschaftslehre (B.Sc. in 2018) und Gesundheitsökonomik (M.Sc. 2021) an der Universität Duisburg-Essen. Während seines Studiums arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft an der FOM im Bereich „Support Forschung“ und am RWI im Kompetenzbereich „Gesundheit“. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Gesundheitsökonomik und angewandten Mikroökonometrie.

Wie uns unsere Städte krank machen und was wir dagegen tun können2023-08-14T09:15:56+02:00

Wie sieht die Produktion von Tierprodukten in der Zukunft aus?

Wie sieht die Produktion von Tierprodukten in der Zukunft aus?

von Katharina Fietz, Lena Merkel und Regina Schnars, GIGA – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien

Unsere Gesellschaft diskutiert die Produktion und den Konsum von Tierprodukten wie Fleisch, Milch und Eiern sehr kontrovers. Das liegt daran, dass es in der Tierproduktion Zielkonflikte zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen gibt, die schwierig miteinander vereinbar sind. Dies sind die ökonomischen, ökologischen, tierwohlbezogenen und gesundheitlichen Dimensionen.

Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, dass Gewinne erzielt werden, ohne die benötigten Ressourcen für die Gewinnerzielung langfristig zu schädigen. Fleisch-, andere Tierprodukt- und Futterindustrien sind bedeutende Bestandteile unserer Wirtschaft und stellen eine wichtige Einkommensquelle für Bäuerinnen und Bauern dar. Gleichzeitig ist es für Landwirt:innen immer schwieriger, ihre Betriebe profitabel zu betreiben—weitere Auflagen wie eine zusätzliche Besteuerung oder die bauliche Veränderung von Ställen stößt hier häufig auf Kritik.

Ökologisch nachhaltig sind diese Industrien nicht, da die Produktion von Tierprodukten deutlich klimaschädlicher ist als die Produktion pflanzlicher Produkte. Das beinhaltet nicht nur die Ausstoßung von Treibhausgasen, sondern auch die Auswirkungen auf den landwirtschaftlich genutzten Boden. Besonders die Massentierhaltung ist darauf ausgelegt, mehr und günstiger (auf weniger Raum) für den Exportmarkt zu produzieren.

Zu den negativen Auswirkungen auf das Klima kommt hinzu, dass die Tiere (besonders in der Massentierhaltung) oft unter schlechten Bedingungen gehalten werden. Alternativen zur aktuellen Massentierhaltung bieten bislang nur kleinere Biobetriebe, allerdings sind lediglich 13,4% aller Landwirtschaftsbetriebe Bio-Höfe. Für Kosument:innen sind die Herstellungsbedingungen von Fleischprodukten nicht klar zu erkennen. Obwohl einige Labels, wie z.B. das Bio-Siegel, die Initiative Tierwohl oder die Haltungsformkennzeichnung uneinheitliche Informationen bieten, gibt es in Deutschland bislang kein verbindliches staatliches Siegel. Die Einführung eines solchen bundesweiten Siegels wird derzeit aber stark diskutiert. In den einzelnen Bundesländern gibt es regionale Initiativen, so z.B. die Tierwohl-Initiative des Bauernverbands Schleswig-Holstein, die sich mit Themen wie der Schlachtung von trächtigen Rindern, Enthornung, Ferkelkastration, Schnäbel kürzen und Küken töten beschäftigt. Das Agrarinvestitionsförderungsprogramm besteht aus einer Förderung für Betriebe, die Investitionen in eine besonders artgerechte Tierhaltung durchführen und besondere Anforderungen in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz erfüllen.
Schließlich gibt es gesundheitliche Aspekte: Generell gilt, dass täglicher Fleischkonsum weder nötig noch empfehlenswert ist. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Gleichzeitig empfiehlt sie jedoch, täglich Milch oder Milchprodukte zu sich zu nehmen und ein- bis zweimal die Woche Fisch zu essen.

In Deutschland geht der durchschnittliche Fleischkonsum seit Jahren zurück und immer mehr Bürger:innen fordern „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, ernähren sich vegetarisch oder vegan, achten auf die Herstellung der Fleisch- und Tierprodukte und fordern zum Teil sogar eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, um den Konsum weiter einzudämmen. Von Seiten der Forschung werden alternative Produktionsmodelle, wie z.B. die Kreislaufökonomie, technologische Innovationen und mehr Diversität in Agrarbetrieben diskutiert und untersucht. Vereinzelt setzen Bauern auf proaktives Marketing, etwa auf Instagram, um das tägliche Leben von Bauern zu erklären (z.B. Deichdeern).

Die Produktion von tierischen Lebensmitteln steht somit vor verschiedenen Herausforderungen. Einerseits muss sie ökologischer werden. Andererseits muss sie sich an eine sich verändernde Ernährungsweise anpassen und gleichzeitig die ökonomischen und die tierwohlbezogenen Dimensionen miteinbeziehen. Es gibt also viele mögliche Ansatzpunkte, die Produktion tierischer Lebensmittel in Zukunft neu zu gestalten.

Must-Read Literatur

Bund (2022): Massentierhaltung: unökologisch, unsozial, unethisch, ungesund. https://www.bund.net/massentierhaltung/nutztierhaltung/

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2022): Deutschland, wie es isst – der BMEL-Ernährungsreport 2022.
https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2022.html

Parlasca, M.C. and Qaim, M., 2022. Meat Consumption and Sustainability. Annual Review of Resource Economics, 14.

Podcast: Fruchtfolgen – die Zukunft der Tierhaltung https://www.rbb-online.de/rbbkultur/podcasts/beitraege/fruchtfolgen/zukunft-der-tierhaltung.html

Podcast: Netzwerk Fokus Tierwohl https://www.fokus-tierwohl.de/de/mediathek

Partnerinstitut

GIGA – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien

Trenner

Das Thema wird betreut von

Katharina Fitz

Katharina Fietz ist Doktorandin am German Institute for Global and Area Studies und an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre aktuelle Forschung fokussiert sich auf soziale Absicherungssysteme und Arbeitsmärkte. Katharina hat an der NOVA School of Business and Economics ihren Master in Volkswirtschaftslehre absolviert und im Anschluss zwei Jahre bei der Weltbank gearbeitet.

Lena Merkel

Lena Merkel ist Doktorandin am GIGA Institut für Afrika-Studien und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Im Rahmen ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit Fragen des menschlichen Verhaltens mit dem Fokus auf Gesundheit in Sub-Sahara Afrika. Lena hat ihren Master in Volkswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen absolviert.

Regina Schars

Regina Schnars ist Doktorandin am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg und an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie beschäftigt sich mit ausländischen Direktinvestitionen und produktiver Beschäftigung in Sub-Sahara Afrika. Ihren Master in Development Economics hat sie an der Georg-August-Universität Göttingen.

Wie sieht die Produktion von Tierprodukten in der Zukunft aus?2023-08-25T12:05:55+02:00

Mehrweg zum Standard machen und Müll vermeiden – Wie kann man Mehrwegsysteme im Gastronomiebereich stärker etablieren?

Mehrweg zum Standard machen und Müll vermeiden – Wie kann man Mehrwegsysteme im Gastronomiebereich stärker etablieren?

von Prof. Dr. Sandra Transchel, Kühne Logistics University

Die Welt hat ein wachsendes Abfallproblem, vor allem der Verpackungsmüll nimmt immer weiter zu. Der Großteil der Verpackungsabfälle in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) besteht aus Papier, Pappe und Kunststoffen, die mit 47,6 Millionen Tonnen (rund 60 %) zum gesamten Verpackungsabfallaufkommen im Jahr 2019 beitragen. Nach einer NABU-Studie fallen allein in Deutschland pro Jahr mehr als 340.000 Tonnen Verpackungsmüll durch Einweggeschirr und andere Verpackungen für den Sofortverzehr an (inkl. Becher für Heiß- und Kaltgetränke, Schalen für Suppen und Salate, Pizzaboxen und andere Haushaltsverpackungen wie z.B. Partybedarf). Um dieses Plastikmüllproblem anzugehen, können wir uns nicht allein auf das Recycling verlassen, sondern brauchen neue Lösungen, um bereits die Produktion von Verpackungen zu reduzieren.

Mehrwegsysteme sind ein zukunftsweisender und vielversprechender Hebel, um Verpackungsmüll To-Go Gastronomie zu verringern, Ressourcen zu schonen und dem Klimawandel und der Verschmutzung der Ozeane entgegenzuwirken. Seit Januar 2023 gibt es in Deutschland die sogenannte „Mehrwegangebotspflicht“ für den „To-Go“ Bereich. Dies bedeutet, dass Lebensmittel und Getränke für den Außer-Haus-Verzehr in Mehrwegverpackungen angeboten werden müssen. Die Gastronomiebranche, die dieses Gesetz umsetzen muss, sieht sich seitdem vor verschiedene Herausforderungen und Probleme gestellt, die es zu lösen gilt.

  • Zuallererst: Was sind Mehrwegsysteme, wodurch zeichnen sich Mehrwegbehältnisse bzw. Mehrwegverpackungen im Gastronomiebereich aus und wieso können sie zur Abfallvermeidung beitragen?
  • Welche Möglichkeiten haben Gastronomiebetriebe (Restaurants, Imbisse, Cafés, Fast-Food-Ketten, etc.) Mehrwegalternativen für den To-Go (Essen und Getränke zum Mitnehmen) Bereich anzubieten? Was gibt es bereits für Businessmodelle?
  • Was sind besondere Herausforderungen bei der Umsetzung von Mehrweglösungen?
    • Aus der Sichtweise von Konsumenten
    • Aus der Sichtweise von Gastronomiebetrieben Gastronomiebetriebe (Restaurants, Imbisse, Cafés, Fast-Food-Ketten, etc.)
  •  Gibt es in Eurem Umfeld Möglichkeiten (Schulen, Vereine, Events etc.), Mehrwegsysteme zu etablieren und dadurch Müllmengen an Einwegverpackungen zu reduzieren?
    • Wenn Ja: Wie könnte man so ein Mehrwegsystem aufbauen? Welche Behälter? Wie stellt man sicher, dass die Behälter wieder zurückkommen? Wie könnte man die Logistik und Reinigung organisieren?
Must-Read Literatur

Verbraucherzentrale, Mehrwegpflicht für Essen und Getränke zum Mitnehmen, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/abfall/mehrwegpflicht-fuer-essen-und-getraenke-zum-mitnehmen-79833

NABU, Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen Abfallaufkommen in Deutschland 1994 bis 2017, https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/25294.html

Weiterführende Literatur

Mehrwegverband e.V., https://www.mehrwegverband.de (siehe auch unter Publikationen)

Partnerinstitut

Das Thema wird betreut von

Sandra Transchel

 Prof. Dr. Sandra Transchel

Prof. Dr. Sandra Transchel ist Professorin für Supply Chain und Operations Management an der Kühne Logistics University. Zuvor war Prof. Transchel von 2008 bis 2011 Assistant Professor für Supply Chain Management an der Pennsylvania State University, USA sowie Visiting Assistant Professor an der Tuck School of Business in Dartmouth, USA. Dr. Transchel promovierte 2008 an der Universität Mannheim, Deutschland, und schloss im März 2004 ihr Studium der Wirtschaftsmathematik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland, mit dem Diplom ab.

Professor Transchels Forschungsinteressen liegen in der Optimierung von Supply Chain Prozessen, insbesondere der Planung und Optimierung von nachhaltigen Mehrwegsystemen sowie in der Logistik- und Produktionsplanung von verderblichen Produkten (Food Supply Chain Management).

Mehrweg zum Standard machen und Müll vermeiden – Wie kann man Mehrwegsysteme im Gastronomiebereich stärker etablieren?2023-11-14T14:53:25+01:00

Green Budgeting – Vom „grünen Feigenblatt“ zur echten Nachhaltigkeit

Green Budgeting – Vom „grünen Feigenblatt“ zur echten Nachhaltigkeit

von Dr. Mario Hesse und Fabio Botta, Universität Leipzig

Unter anderem die OECD und die Europäische Kommission haben den Trend der Verknüpfung von budgetären Mitteln und Klimapolitik bzw. Umweltschutz unter dem Begriff Green Budgeting aufgegriffen und in einen ersten definitorischen Rahmen gegossen. Grundsätzlich untersucht Green Budgeting demnach die klima- und umweltspezifischen positiven, neutralen sowie negativen Auswirkungen aller budget-, ordnungs- und steuerpolitischen Maßnahmen und Prozesse im öffentlichen Sektor. Wobei sowohl finanzielle Aspekte (Input-Betrachtung) wie auch Einschätzungen zur Wirkungsdimension (Impact-Betrachtung) begutachtet werden. Dabei kann es eine Entscheidungsgrundlage für den Beitrag zur Einhaltung von Klima- und Umweltzielen auf verschiedenen föderalen Ebenen sowie auf internationaler und völkerrechtlicher Ebene liefern. Vorliegend wird Green Budgeting daher im weiteren Sinne als ein Informationsinstrument der Haushaltspolitik zur Erreichung von Klima- und Umweltzielen betrachtet, als Instrument einer wirkungsorientierten Steuerung öffentlicher bzw. kommunaler Haushalte. Dabei wird der im deutschen Raum häufig verwendete Begriff von Nachhaltigkeitshaushalten – mit dem in der Regel auch Nachhaltigkeitsziele über Klima- und Umweltziele hinaus betrachtet werden – weitgehend als Synonym verwendet.

Aufgrund der wachsenden Notwendigkeit finanzieller Effizienz, verbunden mit dem steigenden Handlungsdruck in Zeiten sich zuspitzender Klima- und Biodiversitätskrisen sowie sozialer Disparitäten, gewinnt das Konzept des Green Budgeting international und national an Bedeutung. So wurden auch in Deutschland auf der kommunalen Ebene bereits erste Pilotprojekte zum nachhaltigen Haushalt oder zum Green Budgeting initiiert. Allerdings gehen viele dieser Initiativen kaum über vage Zielvorstellungen hinaus.

Mögliche Fragestellungen:

  • Was ist also erforderlich, um von einem „grünen Feigenblatt“ zu einer echten Nachhaltigkeitssteuerung in öffentlichen Haushalten zu gelangen?
  • Wie sollte ein sinnvoller Nachhaltigkeitshaushalt aussehen?
  • An welche Zielgruppen sollte sich ein Nachhaltigkeitshaushalt richten?
  • Welche sind die relevanten Indikatoren?
  • Wie schafft man öffentliches Interesse für das „trockene“ Thema der öffentlichen Haushalte?
  • Welche internationalen Best-Practice-Beispiele können Deutschland als Vorbild dienen?
Must-Read Literatur

Bär, H./Bitomsky, A. (2022): Green Budgeting in Deutschland: Handlungsbedarf, Anknüpfungspunkte und Erfolgskriterien. Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Berlin.

https://foes.de/publikationen/2022/2022-09_FOES_Green_Budgeting_Deutschland.pdf

OECD/KOM/IMF (2021): Green Budgeting: Towards Common Principles. Organisation for Economic Co-operation and Development/Europäische Kommission/International Monetary Fund. November 2021.

https://www.oecd.org/gov/budgeting/green-budgeting-towards-common-principles.pdf

Weiterführende Literatur

Bova, E. (2021): Green Budgeting Practices in the EU: A First Review. European Economy Discussion Paper 140. May 2021.

https://economy-finance.ec.europa.eu/system/files/2021-05/dp140_en.pdf

Partnerinstitut

Logo der Universität Leipzig

Das Thema wird betreut von

Mario Hesse

Dr. Mario Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) an der Professur Finanzwissenschaft im Institut für öffentliche Finanzen und Public Management, Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Kommunalfinanzen, Fragestellungen des (kommunalen) Finanzausgleichs, der öffentlichen Infrastruktur sowie der Regionalökonomik.

Fabio Botta

Fabio Botta ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Finanzwissenschaft der Universität Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten des Fiskalföderalismus sowie der Nachhaltigkeit öffentlicher Haushalte,

Green Budgeting – Vom „grünen Feigenblatt“ zur echten Nachhaltigkeit2023-08-29T09:17:40+02:00

Wie kann die öffentliche Beschaffung den Markteinstieg für Start-ups unterstützen?

Wie kann die öffentliche Beschaffung den Markteinstieg für Start-ups unterstützen?

von Dr. Bastian Krieger, Lena Füner, Linus Strecke, ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim

Dieses Thema kann im Kick-Off und im Fachgespräch auf Deutsch oder Englisch bearbeitet werden.

Start-ups fördern Innovation und wirtschaftliche Entwicklung. Ihre Agilität, Risikobereitschaft und bahnbrechenden Lösungen treiben den Fortschritt in verschiedenen Branchen voran und tragen zur Bewältigung von Umwelt-, Gesundheits- und demografischen Herausforderungen bei. Allerdings sehen sich Start-ups häufig mit Herausforderungen hinsichtlich der Nachfrage nach ihren Produkten konfrontiert, wie z. B. der Einschätzung der Höhe der Nachfrage, dem Erreichen einer ersten Zugkraft im Markt und begrenzten Ressourcen für die Skalierung ihrer Produktion.

Der öffentliche Sektor hat mit rund 500 Milliarden Euro einen erheblichen Anteil an der Nachfrage in Deutschland. Folglich haben die Beschaffungsbehörden das Potenzial, Start-ups zu fördern, indem sie

i. informative Ausschreibungen veröffentlichen, die bestehende Marktchancen aufzeigen,

ii. Start-up-Firmen ein erstes Nachfrageniveau bieten und es ihnen ermöglichen, frühzeitig zu skalieren, und

iii. ein positives Qualitätssignal an andere potenzielle Kunden von Start-up-Unternehmen senden.

Neugründungen sehen sich jedoch bei öffentlichen Ausschreibungen mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, wie z. B. begrenzten Ressourcen für die Vorbereitung ihrer Angebote und einem Mangel an Nachweisen von bereits erbrachter Leistungen. Infolgedessen können komplexe Ausschreibungsverfahren durch die Beschaffungsbehörden und das geringe Alter von Neugründungen ihre Chancen beeinträchtigen, von der öffentlichen Nachfrage zu profitieren.

Um das Potenzial des öffentlichen Auftragswesens zur Förderung von Unternehmensgründungen zu nutzen, hat die deutsche Bundesregierung beschlossen, das öffentliche Auftragswesen in ihre Gründungsstrategie aufzunehmen. Die Strategie zielt insbesondere darauf ab,

i. den Zugang zu Informationen über offene Ausschreibungen zu erleichtern,

ii. die Möglichkeiten zur Berücksichtigung von Start-ups bei innovativen Ausschreibungen zu prüfen,

iii. Start-ups über ihre Möglichkeiten zur Teilnahme an Ausschreibungswettbewerben zu informieren und

iv. die Vergabebehörden für die Besonderheiten von Start-ups zu sensibilisieren.

Auch wenn die Ausrichtung der Start-up-Strategie vielversprechend ist, werden weitere konkretere Ideen benötigt, um Start-ups bei der Nutzung des öffentlichen Beschaffungswesens zur Bewältigung ihrer Nachfrageprobleme zu unterstützen. Dies ist eure Aufgabe im Rahmen dieses Themas der YES! 2024.

Ein Ausgangspunkt für die Eingrenzung auf ein bestimmtes Thema sind die folgenden Fragen:

A. Wie können sich Start-ups in den komplexen öffentlichen Beschaffungsprozessen effektiv zurechtfinden?

B. Welche Strategien können Start-ups anwenden, um begrenzte Ressourcen zu überwinden und Glaubwürdigkeit im öffentlichen Auftragswesen zu erlangen?

C. Wie können Beamt:innen des öffentlichen Beschaffungswesens dazu angeregt werden, Start-ups als Lieferant:innen zu berücksichtigen und auszuwählen?

D. Wie wirkt sich die risikoscheue Natur des öffentlichen Beschaffungswesens auf Start-ups aus, und wie kann diese Voreingenommenheit behoben werden?

E. Was sind die Erfolgsgeschichten von Start-ups im öffentlichen Beschaffungswesen, und wie können diese Erkenntnisse mit anderen geteilt werden?

Must-Read Literatur

Informationen von KOINNO https://www.koinno-bmwk.de/startups-innovative-kmu/die-oeffentliche-beschaffung/
– Beschreibung öffentlicher Beschaffung

Start-Up Strategie 2022 https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Existenzgruendung/start-up-strategie-der-bundesregierung.pdf?__blob=publicationFile&v=10
– Einführung – Zeigt die Bedeutung von Start-ups
– Abschnitt 10 – Wie kann die öffentliche Beschaffung Start-Ups unterstützen?

Wissenschaftlicher Artikel: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08985626.2010.546433
– Eine qualitative Analyse der Verbindung von öffentlicher Beschaffung und lokalen Firmen

KOINNO Flyer https://toolbox.koinno-bmwi.de/api/tool-resource/5ed73e76b26b7000f8bd0f26/Handout_Startup%20und%20innovationsfreundliche%20Vergabe_April%202020.pdf
– Zeigt, wie junge und kleine Firmen bei öffentlichen Ausschreibungen unterstützt werden können

Weiterführende Literatur

DIW Wochenbericht https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.572655.de/17-49-3.pdf
– Zeigt beispielhaft die Herausforderungen der Behörden mit nachhaltiger Beschaffung

FDP Press Release https://fdp-landtag-bw.de/pressemitteilungen/reith-staerkere-einbeziehung-von-start-ups-in-oeffentliche-beschaffung-ist-richtig-leider-dauerte-es-nur-fast-drei-jahre/
– Ein Statement zur öffentlichen Beschaffung und Start-ups von der FDP

Wirtschaftsdienst
– Ein Artikel eines YES!-Teams von 2022 über die Verbindung von Behörden, Firmen und der Bevölkerung bei nachhaltigen Beschaffugnsprozessen https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2022/heft/12/beitrag/umweltfreundliche-oeffentliche-beschaffung-foerdern-mit-people-public-private-partnership.html

Wissenschaftlicher Artikel https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048733322000440?via%3Dihub
– Eine quantitative Analyse von großen vs. kleinen und mittelständischen Unternehmen und Beziehung zu nachhaltigen öffentlichen Beschaffungen

Partnerinstitut

Logo ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Das Thema wird betreut von

Dr. Bastian Krieger

Dr. Bastian Krieger ist Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“ im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. Der Fokus seiner Arbeit liegt insbesondere auf einer quantitativen Analyse der Zusammenarbeit von Unternehmen mit Kunden/-innen, öffentlichen Behörden, Forschungseinrichtungen und Industriepartnern. Des Weiteren ist er Ansprechpartner des Forschungsschwerpunkts „Austauschprozesse Wirtschaft-Wissenschaft“.

Er hat an der Universität Luxemburg promoviert. Des Weiteren schloss er das Doppel-Masterprogramm der Justus-Liebig-Universität Gießen und der University of Wisconsin-Milwaukee ab und besuchte innerhalb seines weitergehenden Studiums regelmäßig Doktorandenkurse der Universität Mannheim.

Bastian Krieger besuchte als Gastwissenschaftler die KU Leuven und die ETH Zürich. Des Weiteren ist er Gastwissenschaftler am Forschungsdatenzentrum der Bundesbank. Zudem hielt er verschiedene Vorlesungen an der Technischen Universität München, der University of Wisconsin-Milwaukee, der KU Leuven und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Lena Füner

Lena Füner ist seit Oktober 2019 Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und seit August 2020 Doktorandin an der TU München. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Unternehmensdynamik. Hierbei fokussiert sie sich auf die Analyse des Gründungsgeschehens im Zusammenhang mit regionalen Strukturen.

Lena Füner absolvierte ihr Bachelorstudium in Business Administration and Economics an der Universität Passau. Darauf aufbauend studierte sie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Masterprogramm Economics mit dem Schwerpunkt Economics and Politics.

Linus Strecke

Linus Strecke arbeitet am ZEW in Mannheim im Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. Er studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der Université Paris Nanterre Volkswirtschaftslehre. In seiner Masterarbeit untersuchte er die Effekte von Produktbeschaffung auf das Innovationsverhalten von Unternehmen.

Wie kann die öffentliche Beschaffung den Markteinstieg für Start-ups unterstützen?2023-09-13T09:50:14+02:00

Oma und Opa und Co – Wie kann die Pflege älterer Angehöriger auch in Zukunft sichergestellt werden?

Oma und Opa und Co – Wie kann die Pflege älterer Angehöriger auch in Zukunft sichergestellt werden?

von Dr. Björn Fischer-Weckemann, ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim

Unsere Gesellschaft altert rasant. Während im Jahr 1950 noch 16 Personen im Rentenalter 100 Personen im Erwerbsalter gegenüberstanden (Altersquotient von 0.16), waren es im Jahr 1979 27, 1998 25 und 2006 33. Bis ins Jahr 2021 wuchs dieser Quotient auf 36 und wird in Zukunft weiter ansteigen. Das hat natürlich mit dem Anstieg der Lebenserwartung und damit der Anzahl der Personen im höheren Alter zu tun, aber gleichzeitig auch mit einer Abnahme der Geburtenquote über viele Jahrzehnte. Die steigende Anzahl der älteren und hochaltrigen Personen in Deutschland sorgt trotz einer immer gesünderen Bevölkerung für einen Anstieg der Anzahl der Personen, die im Alter langfristig abhängig von Pflegeleistungen sind – sei es durch professionelle Pflegedienste oder Familienangehörige oder Freunde. Während in Deutschland im Jahr 2021 knapp 5 Millionen pflegebedürftige Personen gezählt wurden, wird bis 2055 ein Anstieg von 37% auf knapp 6.8 Millionen und bis 2070 ein Anstieg auf 6.9 Millionen Personen antizipiert.

Heute nutzt ein Großteil der pflegebedürftigen Angehörigen zum Großteil Hilfeleistungen von Angehörigen und Freunden. Nur durch diese kann sichergestellt werden, dass die pflegebedürftigen weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld und weitgehend eigenständig leben können. Die Mehrzahl der sogenannten informellen Pflegeleistungen wird von Frauen, die selbst im Alter rund um den Renteneintritt sind geleistet. In vielen Fällen werden jedoch professionelle Pflegedienste in Anspruch genommen oder die Pflegebedürftigen ziehen in stationäre Pflegheime um. Die steigende Anzahl der Pflegebedürftigen sorgt damit für einen Anstieg der Nachfrage nach familiärer (informeller) Pflege sowie nach professioneller Pflege, ob ambulant oder stationär.

In den Medien wird vielfach über den Mangel an Fachkräften im Pflegebereich berichtet. Dieser schränkt die Anzahl der Heimplätze ein und erhöht im Zweifel die Kosten der professionellen Pflegeoptionen. Es wird jedoch wenig darüber berichtet, welche Auswirkungen eine steigende Teilnahme von Frauen und Männern im höheren Alter am Arbeitsmarkt für das Angebot an familiärer Pflege hat. Derzeit pflegen besonders häufig Frauen, die im Vorruhestand sind oder nicht in Vollzeit erwerbstätig sind ihre Eltern, Partner, andere Angehörige oder helfen bei Nachbarn aus. Arbeiten in Zukunft Frauen länger und häufiger in Vollzeit, kann die Pflege für diese Personengruppen in Gefahr geraten. Gleichzeitig haben immer mehr Personen im höheren Alter keine Kinder oder andere nahe Angehörige. Dieses Loch kann derzeit jedoch nicht vollständig durch professionelle Pflegekräfte ausgefangen werden.

Mögliche Fragestellungen:

  • Wie kann die Gesellschaft diese Lücke an Pflegekräften füllen?
  • Kann man sich (individuell) frühzeitig mit dieser Thematik beschäftigen?
  • Können Mehrgenerationenhäuser eine Lösung sein?
  • Muss/kann man sinnvoll vorbauen und seine eigenen 4 Wände altersgerecht machen?
  • Wird man dabei unterstützt?
  • Lohnen sich private Versicherungen, um die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung aufzustocken (für Leute mit/ohne Kinder)?
  • Wie können pflegende Angehörige unterstützt werden?
  • Wie kann man es schaffen, dass sich mehr Personen frühzeitig mit der Thematik auseinandersetzen?
Must-Read Literatur

https://www.barmer.de/resource/blob/1142760/9ec71d5ae2f750239f74532a33d14490/barmer-pflegereport-2022-bifg-data.pdf (nicht in Gänze aber eine gute Grundlage)

Weiterführende Literatur

OECD Health Working Paper No. 140 (wird zur Verfügung gestellt)

Preventing Aging Unequally (wird zur Verfügung gestellt)

https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegefinanzierung/pflegeversicherung/pflegevorsorge/?CID=google_700000001562721.8481866827.83562583902.404836027843.kwd-3982428261&gad=1&gclid=CjwKCAjww7KmBhAyEiwA5-PUSs0_OQDqlOhqswx6tU_aNIkGtCTHNj9-9_SF8pr18BTom_Sndafl7BoCdcMQAvD_BwE&gclsrc=aw.ds

Partnerinstitut

Logo ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Das Thema wird betreut von

Björn Fischer-Weckemann

Björn Fischer-Weckemann arbeitet seit August 2022 als Post-Doc am ZEW im Bereich Arbeitsmärkte und Sozialpolitik und forscht zu Themen rund um das Renten-, und Pflegesystem. Dabei nutzt er verschiedenste empirische Methoden und Datensätze, um kausale Analysen politikrelevanter Fragestellungen zu untersuchen. Er hat im Juli 2022 in Berlin an der FU Berlin und dem DIW Berlin unter Prof. Dr. Peter Haan promoviert.

Oma und Opa und Co – Wie kann die Pflege älterer Angehöriger auch in Zukunft sichergestellt werden?2023-11-22T16:07:26+01:00

Bedingungsloses Taschengeld für Kinder: Eine Frage der Gerechtigkeit oder Schnapsidee?

Bedingungsloses Taschengeld für Kinder: Eine Frage der Gerechtigkeit oder Schnapsidee?

von Prof. Dr. Felix Rösel und Prof. Dr. Markus Ludwig, Technische Universität Braunschweig

Taschengeld ist nicht für alle Kinder in Deutschland selbstverständlich. Studien zufolge bekommt etwa jedes siebte Kind kein Taschengeld – und kann sich im Schwimmbad nichts am Kiosk kaufen. Um das zu ändern, könnte man einen Teil des staatlichen Kindergeldes direkt als (bedingungsloses) Taschengeld an Kinder auszuzahlen. Alle Kinder hätten dann ein garantiertes Taschengeld, ohne dass es den Staat mehr kosten würde.

Eure Aufgabe ist es, diesen Vorschlag auf Herz und Nieren zu prüfen.

  • Wie ist es überhaupt aktuell um die Unterschiede beim Taschengeld bestellt?
  • Welche Vor- und Nachteile hätte ein bedingungsloses Taschengeld mit Blick auf Gerechtigkeit, Teilhabe, finanzielle Bildung und Erziehung?
  • Und wie könnte man solch ein bedingungsloses Taschengeld am Ende praktisch umsetzen?
  • Wer bekommt kein oder wenig Taschengeld in Deutschland?
  • Wie groß ist die Ungleichheit?
  • Ist die Ungleichheit beim Taschengeld überhaupt ein Problem?
  • Sollte der Staat einspringen und ein Teil des Kindergeldes direkt an alle Kinder als Taschengeld auszahlen?
Must-Read Literatur

Credit Suisse (2020): Die Schweizer Taschengeld-Studie, https://sotomo.ch/site/wp-content/uploads/2020/12/1705344_Kids-Study_de.pdf

Jungezielgruppen.de (2017): Taschengeldstudie: 6-13-Jährige haben 20% mehr Geld, https://jungezielgruppen.de/taschengeld-studie-2017/

Partnerinstitut

Logo der TU Braunschweig

Das Thema wird betreut von

Felix Rösel

Foto: Kristina Rottig, TU Braunschweig


Felix Rösel ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Stadt- und Regionalökonomik an der TU Braunschweig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Fragen an der Schnittstelle von räumlicher Entwicklung, öffentlichen Finanzen und sozialem Zusammenhalt. Er analysiert insbesondere historische Daten.

Trenner

Markus Ludwig

Foto: TU Braunschweig VWL


Markus Ludwig ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Empirische Wirtschaftsforschung und Ökonometrie an der TU Braunschweig. Er nutzt ökonometrische Methoden, um Forschungsfragen in den Bereichen Entwicklungsökonomik, Wirtschaftsgeschichte, Gesundheit, Klimawandel, Handel sowie Politische Ökonomie zu untersuchen.

 

 



Bedingungsloses Taschengeld für Kinder: Eine Frage der Gerechtigkeit oder Schnapsidee?2023-08-25T12:00:13+02:00

Steigende Ungleichheit durch den CO2-Preis: Wie können die Einnahmen sozialverträglich verwendet werden?

Steigende Ungleichheit durch den CO2-Preis: Wie können die Einnahmen sozialverträglich verwendet werden?

von Daniel Bruns und Dennis Henryk Meier, Leibniz Universität Hannover

Das zentrale und kosteneffiziente politische Instrument auf dem Weg zur CO2-Neutralität ist der nationale sowie internationale Emissionshandel. Unter dem EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) werden 45 Prozent der europäischen CO2-Emissionen gehandelt. Für emissionsstarke Wirtschaftssektoren wird in diesem System eine maximale Anzahl an Zertifikaten ausgegeben. Diese können Unternehmen in zentralen Auktionen erwerben, um die entsprechende Menge an CO2 emittieren zu dürfen. So kontrolliert der Zertifikathandel die Menge des ausgestoßenen CO2 und schafft durch den impliziten CO2-Preis Anreize für den Umstieg auf klimaschonende Alternativen und technische Innovationen zur weiteren Dekarbonisierung.

Die seit 2021 gesetzlich festgelegte CO2-Bepreisung verteuert dadurch viele Produkte des alltäglichen Lebens und verstärkt deshalb die Ungleichheit gemessen am verfügbaren Einkommen. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, wird die Anzahl der ausgegebenen Zertifikate in den nächsten Jahren weiter sinken und diese Effekte verstärken. Durch den Einstiegspreis in 2021 von 25 Euro je Tonne verteuerte sich Heizöl sowie Diesel und Benzin um über 6 Cent pro Liter (Frondel et al., 2022). Der Preisaufschlag trifft Haushalte mit niedrigen Einkommen besonders stark, da diese einen höheren Anteil ihres Einkommens für Energie ausgeben und in ihrem Konsumverhalten weniger Spielraum für Anpassungen haben (Edenhofer et al., 2019). Bach et al. (2023) gehen von einem langfristigen CO2-Preis von 150 Euro je Tonne aus und zeigen, dass die 10 Prozent mit niedrigstem Einkommen bei einem solchen Preisanstieg fast sechs Prozent mehr ihres Nettoeinkommens für Heizen und Kraftstoffe ausgeben müssten. Dagegen würde der Anteil für die einkommensstärksten 10 Prozent bei nur 1,5 Prozent liegen. Zudem können Haushalte mit geringem Einkommen oft nicht in emissionsarme Technologien wie Wärmepumpen investieren (Fratzscher, 2023). CO2-Preise ohne Kompensation verschärfen also soziale und wirtschaftliche Ungleichheit (d.h. sie haben eine regressive Verteilungswirkung).

Im Gegensatz zu anderen klimapolitischen Maßnahmen wie beispielsweise Mindeststandards, werden durch den Zertifikathandel Einnahmen erzielt, die für die soziale Verträglichkeit verwendet werden können. Die Bundesregierung nennt im [Koalitionsvertrag](https://www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/1990812/1f422c60505b6a88f8f3b3b5b8720bd4/2021-12-10-koav2021-data.pdf?download=1) explizit ein Klimageld – eine einheitliche und einkommensunabhängige Pro-Kopf-Zahlung. In der aktuellen Debatte werden aber auch andere Rückzahlungsmethoden wie eine Kompensation für Fernpendler-Haushalte, die Absenkung von Strompreisen, oder die Entlastung vulnerabler Haushalte durch Förderprogramme zur Verringerung des fossilen Energieverbrauchs diskutiert (Kalkuhl et al., 2021). Fast alle Einnahmen werden durch den [Klima- und Transformationsfonds](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2022/07/2022-07-27-klima-und-transformationsfonds.html) verwaltet. Aus den geplanten Programmausgaben für das Jahr 2023 wird deutlich, dass Kompensationszahlungen beispielsweise mit Investitionen in Ladeinfrastruktur oder Wasserstoffindustrie konkurrieren.

Die soziale Verträglichkeit der CO2-Bepreisung ist maßgeblich für eine langfristige Akzeptanz der Maßnahmen und somit von hoher Bedeutung für eine erfolgreiche Klimapolitik. Zu der Ausgestaltung ergeben sich diverse praktische Fragen:

  • Was sind die Vor- und Nachteile von Rückzahlungen zu anderen möglichen Ausgaben wie Investitionen in Zukunftstechnologien?
  • Welcher Methodenmix entlastet Haushalte mit niedrigen Einkommen am effektivsten?
  • Welche Härtefälle, Personengruppen die besonders von der CO2-Bepreisung betroffen sind, gibt es und wie können diese gezielt kompensiert werden?
  • Welche Maßnahmen können mit der bestehenden Verwaltungsinfrastruktur bewältigt werden (d.h. können betroffene Personengruppen praktisch erreicht werden)?
Must-Read Literatur

Fratzscher, M. (28. Juli 2023). Die Verweigerung des Klimageldes verschärft die soziale Ungleichheit. (Z. Online, Hrsg.) Fratzschers Verteilungsfragen. https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-07/klimageld-einkommen-entlastung-inflation-energiekosten

Frondel, M., Helmers, V., Mattauch, L., Pahle, M., Sommer, S., Schmidt, C. & Edenhofer, O. (2022). Akzeptanz der CO2-Bepreisung in Deutschland: Die große Bedeutung einer Rückverteilung der Einnahmen. Perspektiven der Wirtschaftspolitik, 23(1), 49-64. https://doi.org/10.1515/pwp-2021-0050

Kalkuhl, M., Knopf, B., & Edenhofer, O. (2021). CO2-Bepreisung: Mehr Klimaschutz mit mehr Gerechtigkeit. MCC-Arbeitspapier. https://www.mcc-berlin.net/fileadmin/data/C18_MCC_Publications/2021_MCC_Klimaschutz_mit_mehr_Gerechtigkeit.pdf

Weiterführende Literatur

Bach, S., Buslei, H., Felder, L., & Haan, P. (2023). Verkehrs- und Wärmewende: CO₂-Bepreisung stärken, Klimageld einführen, Anpassungskosten verringern. DIW Wochenbericht (23), 273-280. https://doi.org/10.18723/diw_wb:2023-23-1

Burger, A., Lünenbürger, B., Tews, K., Weiß, J. & Zschüttig, H. (2022). CO2- Bepreisung im Verkehrs- und Gebäudebereich sozialverträglich gestalten. Climate Chance (47/2022). Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau, Berlin. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/co2-bepreisung-im-verkehrs-gebaeudebereich

Edenhofer, O., Flachsland, C., Kalkuhl, M., Knopf, B., & Pahle, M. (2019). Optionen für eine CO2-Preisreform. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. http://hdl.handle.net/10419/201374

Hinweis vom YES!-Team

In der Informationsreihe „Wirtschaft verstehen, Zukunft gestalten“ veröffentlicht der Verein für Socialpolitik, einer der größten Vereinigungen von Wirtschaftswissenschaftler:innen aus dem deutschsprachigen Raum, unter dem Slogan „Wirtschaftsthemen – einfach erklärt“ Beiträge prominenter Mitglieder, die aktuelle Fragen unserer Zeit verständlich beantworten. Zu einigen Beiträgen gibt es zusätzlich kurze Videos und/oder Zeitungsartikel.

Besonders interessant für dieses YES!-Thema ist der Beitrag  „Welche Rolle hat der CO₂-Preis beim Klimaschutz?“ von Klaus Schmidt, https://www.socialpolitik.de/de/welche-rolle-hat-der-co2-preis-beim-klimaschutz.

Partnerinstitut

Logo Leibniz Universität Hannover

Das Thema wird betreut von

Daniel Bruns

Daniel Bruns studierte Volkswirtschaftslehre in Mannheim und Kopenhagen. Nach seinem Bachelorstudium arbeitete er für das Center for Evaluation and Development zu außerschulischer Bildung in Pakistan. Seit 2023 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftspolitik der Leibniz Universität Hannover. Hier interessieren ihn besonders die sozialen Auswirkungen klimapolitischer Maßnahmen.

Dennis Henryk Meier

Nach abgeschlossener Berufsausbildung studierte Dennis H. Meier Wirtschaftswissenschaften (M.Sc.) an der Leibniz Universität Hannover. Seit 2021 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und promoviert am Institut für Wirtschaftspolitik der Leibniz Universität Hannover. Hierfür beschäftigt er sich insbesondere mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die wirtschaftliche Lage von Studierenden in Deutschland.

Steigende Ungleichheit durch den CO2-Preis: Wie können die Einnahmen sozialverträglich verwendet werden?2023-10-10T12:57:09+02:00
Nach oben