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Mentale Gesundheit, Polarisierung und Xenophobie – Wie gelingt ein gesunder Umgang mit Social Media?

Mentale Gesundheit, Polarisierung und Xenophobie – Wie gelingt ein gesunder Umgang mit Social Media?

von Anne Simon und Thomas Schiller, Leibniz Universität Hannover

Social Media ist mittlerweile nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Mit beispielloser Einfachheit können wir uns darüber mit Freunden und Bekannten vernetzen und austauschen, uns organisieren und informieren sowie Inhalte zu allen möglichen Themen konsumieren. Vor allem unter jungen Menschen werden Soziale Medien wie WhatsApp, Instagram, YouTube, TikTok, Twitter, usw. nahezu universell genutzt (Jechorek, 2023). Kein Wunder, dass dieses Thema auch genauso universell in der Gesellschaft diskutiert wird – sei es von Eltern, die den Zugang ihrer Kinder zu sozialen Netzwerken einschränken wollen, in den Nachrichten, wo oft Hetze, Extremismus und Hasskriminalität damit in Verbindung gebracht werden, oder von autoritären Regimen, z.B. in Iran, Russland oder China, die soziale Netzwerke als Gefahr für ihr Macht- und Informationsmonopol sehen und daher zu Zensur greifen.

Diese Diskussionen zu den Auswirkungen von Social Media basieren oft auf Annahmen, die nicht weiter hinterfragt oder wissenschaftlich überprüft werden. Genau so wie Polarisierung oft als Folge von Facebook gesehen wird, sind ironischerweise Meinungen zu sozialen Netzwerken meist einseitig negativ. Gleichzeitig ist die Nutzung von Social Media freiwillig und sehr weit verbreitet. Daher scheint es auch erhebliche Vorteile von Social Media zu geben. Obwohl es viele legitime Gründe gegen Social Media gibt, ist eine Welt ohne dessen nicht mehr möglich. Da sich diese Technologien blitzschnell verbreitet haben und wissenschaftliche Erkenntnisse über deren Auswirkungen erst in den letzten Jahren zunehmend beleuchtet worden sind, muss sich die Generation, die jetzt mit sozialen Netzwerken aufwächst und somit am stärksten von dessen Effekten beeinflusst wird, also selber den Umgang beibringen. Hier ist es wichtig, Lösungsansätze zu finden, die helfen, einen gesunden Umgang mit Social Media zu lernen. Dafür gibt es aber eine wichtige Voraussetzung: Wir brauchen ein differenziertes Bild von den Auswirkungen von Social Media, welches auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Nur dann können die diversen Vor- und Nachteile richtig einschätzen und darauf auch unseren Umgang in einer Art und Weiße anpassen, welche die negativen Effekte minimiert, ohne die Vorzüge zu verlieren.

Tatsächlich kann uns die Wissenschaft schon erstaunlich viel über Social Media verraten. Durch clevere Identifikationsstrategien und Experimente wissen wir z.B., dass die mentale Gesundheit im Durchschnitt durch die Nutzung von sozialen Netzwerken leidet. Die schlechten Gefühle, die nahezu jeder schon bei der Nutzung von Instagram erfahren hat, wenn wir unser Aussehen oder unsere Erlebnisse mit Freunden vergleichen, sind nicht nur eine Anekdote – diese Gedanken kommen systematisch bei Nutzern auf und führen sogar zu schlechteren Noten (Braghieri, Levy, & Makarin, 2022). Damit einhergehend führte ein Experiment, bei dem Teilnehmende eine vierwöchige Facebook-Pause einlegten, zu einer erheblichen Verbesserung von ihrem Wohlbefinden und sie verbrachten mehr Zeit offline mit Familie und Freunden (Allcott, Braghieri, Eichmeyer & Gentzkow, 2020). Andererseits konnte gezeigt werden, dass Proteste durch Social Media einfacher zu organisieren sind und damit häufiger auftreten, was ein demokratisches Miteinander stärken kann (Zhuravskaya, Petrova & Enikolopov, 2020). Jedoch gibt es auch einen wissenschaftlichen Konsens, dass Hasskriminalität über soziale Netzwerke einfacher zu organisieren ist und problematische Posts von einer Partei wie der der Alternative für Deutschland (AfD) auf Facebook oder von dem ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf Twitter erhebliche und sichtbare negative Konsequenzen mit sich bringen (Zhuravskaya, Petrova & Enikolopov, 2020). Insgesamt sind die Auswirkungen von Social Media also vielfältig und komplex. Hier sollt ihr tiefer einsteigen und kreativ werden:

  • Was können wir alles aus den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien über die Auswirkungen von Social Media lernen?
  • Welche Maßnahmen findet ihr für einen gesunden Umgang mit Social Media wichtig?
  • Und welchen konkreten Lösungsansatz (z.B. persönliche Verhaltensmaßnahme, pädagogischer Ansatz, App oder politische Regulation) schlagt ihr vor, damit Social Media nicht zu Hass, Depressionen und Polarisierung führt, sondern vielmehr zu gesellschaftlichem Verständnis, mentaler Gesundheit und Demokratie?
  • Was sind (wissenschaftlich fundierte) Vor- und Nachteile von Social Media, besonders im Hinblick auf Wohlergehen, Polarisierung und Xenophobie?
  • Ist es möglich durch gesunden Umgang mit Social Media die Vorteile zu nutzen und die Nachteile zu minimieren
  • Welche Lösungsansätze (z.B. persönliche Verhaltensmaßnahmen, pädagogische Ansätze, Apps oder politische Regulationen) können einen gesunden Umgang mit Social Media fördern?
Must-Read Literatur

Die Literatur wird zur Verfügung gestellt.

Allcott, Hunt, Luca Braghieri, Sarah Eichmeyer, and Matthew Gentzkow. 2020. „The Welfare Effects of Social Media.“ American Economic Review, 110 (3): 629-76.

Zhuravskaya, Ekaterina, Maria Petrova, and Ruben Enikolopov. 2020. „Political effects of the internet and social media.“ Annual review of economics 12. 415-438.

Weiterführende Literatur

Braghieri, Luca, Ro’ee Levy, and Alexey Makarin. 2022. „Social media and mental health.“ American Economic Review 112.11. 3660-3693

Jechorek, Janina. 2023. “Neue Daten: Statistiken zur Social-Media-Nutzung in Deutschland“. HubSpot. https://blog.hubspot.de/marketing/social-media-in-deutschland [Abgerufen am 30.07.2023]

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Anne Simon

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Anne Simon ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheitsökonomik der Leibniz Universität Hannover. Sie forscht zu gesundheits- und entwicklungsökonomischen Themen und untersucht insbesondere den Zusammenhang von Politikmaßnahmen in Subsahara Afrika mit schädlichen sozialen Normen sowie mit Kinderarbeit und Bildung.

Thomas Schiller

Foto: Christian Wyrwa

Thomas Schiller arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Makroökonomik an der Leibniz Universität Hannover. Sein Forschungsschwerpunkt ist politische Ökonomie, insbesondere in der Forschung zu den Effekten von Internet und Social Media auf Protestbewegungen. Weiterhin liegt sein Interesse in der Entwicklungsökonomie sowie China.

Mentale Gesundheit, Polarisierung und Xenophobie – Wie gelingt ein gesunder Umgang mit Social Media?2023-08-25T12:04:35+02:00

Gender quotas and more – How can we promote female entrepreneurship?

Gender quotas and more – How can we promote female entrepreneurship?

von Merih Sevilir, Ph.D., ESMT European School of Management and Technology, IWH – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Dieses Thema kann im Kick-Off und im Fachgespräch nur auf Englisch bearbeitet werden.

Women are massively underrepresented in business leadership positions, politics, and entrepreneurship. International female parliamentary representation stands at 26% in 2023. Women represent less than 20% of board of directors and only 5% of CEOs at S&P500 firms. Women representation in entrepreneurship is even more rare. Women-founded startups represent less than 3% of all venture capital (VC)-backed startups and women account for less than 15% VC investors. The dominance of men as both VCs and founders of VC-backed startups gives rise to a vicious cycle: male VCs invest in male-founded startups and generate massive financial gains at the exit, enabling male founders and male VCs to invest again.

To remedy the under-representation of women in entrepreneurship, law makers and policy makers as well as investors and business leaders have been taking actions. For example, many European countries and the state of California in the US passed gender quota laws mandating large and publicly traded firms to increase the number of women directors on their boards. Similarly, the business leaders of Goldman Sachs and the NASDAQ stock exchange indicated that they would not be willing to take a firm public in an initial public offering and list it on NASDAQ unless the firm recruits women directors to its board before going public. The objective of this project is to understand why promoting female entrepreneurship is important by addressing the following questions and to suggest a solution.

How to approach this issue:

  • What are the economic reasons for encouraging female entrepreneurship?
  • How would promoting female entrepreneurship have an impact on society and community, beyond economic value creation?
  • How could female entrepreneurship help reduce gender-based gap in health and education inequality?
  • What are the various channels and mechanisms for promoting female entrepreneurship? In other words, what concrete solutions would you propose?
Must-Read Literatur

Literatur wird zur Verfügung gestellt.

Adams, R.B., Ferreira, D., 2009. Women in the boardroom and their impact on governance and performance. Journal of Financial Economics 94, 291–309.

Snellman, K., Solai, I., 2022. Does Investor Gender Matter for the Success of Female Entrepreneurs? Gender Homophily and the Stigma of Incompetence in Entrepreneurial Finance. Organization Science 0, 2–30.

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Merih Sevilir

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Merih Sevilir is Professor of Finance at ESMT Berlin. At the same time, she is the head of the Department of Laws, Regulations and Factor Markets at IWH Halle Institute for Economic Research.

Prior to joining ESMT in 2022, Merih was Associate Professor of Finance at Kelley School of Business at Indiana University. She holds a PhD in Finance from INSEAD.

Gender quotas and more – How can we promote female entrepreneurship?2023-08-29T09:17:39+02:00

„Why so serious“: Wie macht das Investieren an der Börse Spaß, ohne dass zu sehr gezockt wird?

„Why so serious“: Wie macht das Investieren an der Börse Spaß, ohne dass zu sehr gezockt wird?

von Prof. Dr. Alexander Hillert, Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE

Der Handel mit und die Investition in Aktien ist für viele Menschen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Einerseits ist die Angst groß, dabei Geld zu verlieren. Andererseits besteht oft die Skepsis, dass Aktienhändler skrupellose Zocker sind. Beide Faktoren tragen dazu bei, dass sich die Vorurteile gegen den Börsenhandel hartnäckig halten.

Zuletzt haben immer mehr Menschen in Deutschland und den USA während der Corona-Pandemie den Aktienhandel für sich entdeckt. Dieser Boom der Kleinanleger ist im Jahr 2021 plötzlich zum Stillstand gekommen. Warum?

Leider haben viele Erstanleger nicht nur mit börsengehandelten Fonds (ETFs) oder Aktien zu handeln angefangen, sondern auch mit riskanten Wertpapieren wie Derivaten, die sie möglicherweise nicht vollständig verstanden haben. Einerseits haben innovative Trading-Apps wie Robinhood Erstanleger an den Markt gelockt, andererseits fördern diese Apps ein riskantes und spekulatives Handelsverhalten.

Der Handel mit so genannten Meme-Aktien wie GameStop oder AMC Entertainment ist ein gutes Beispiel für spekulativen Handel, der wohl nichts mit den Fundamentaldaten eines Unternehmens zu tun hat. Forscher und Aufsichtsbehörden, insbesondere die US-Börsenaufsichtsbehörde, sind besorgt über das Zocken mit Wertpapieren. Bei Robinhood zum Beispiel regnete virtuelles Konfetti auf die Smartphones der Nutzer, nachdem sie mit einer Aktie gehandelt hatten. Aufgrund anhaltender Kritik entfernte Robinhood schließlich den Konfetti-Regen aus der App.

Die wissenschaftliche Literatur geht zwar davon aus, dass sich Investitionen in den Aktienmarkt langfristig positiv auf das Vermögen auswirken (Siegel und Thaler 1997), aber sehr häufiges Handeln (Odean 1999 und Barber und Odean 2001) und/oder der Handel mit risikoreichen Wertpapieren (Kumar 2009) mit schlechter Performance in Verbindung gebracht wird. Übermäßiger Handel, der zu einer schlechten Performance führt, ist bei Männern ausgeprägter als bei Frauen, da Männer mehr von sich überzeugt sind, wenn es um Börsengeschäfte geht (Barber und Odean 2001).

Aus diesem Hintergrund ergeben sich mehrere Schlüsselfragen für Investoren, Forscher und Regulierungsbehörden:

  • Wie kann man mehr Menschen dazu bringen, sich am Aktienmarkt zu beteiligen, sie aber gleichzeitig davon abhalten, zu viel zu handeln und mit (zu) riskanten Wertpapieren zu handeln, die sie möglicherweise nicht vollständig verstehen?
  • Wie würde eine Trading-App aussehen, die darauf abzielt, das Vermögen der Anleger zu maximieren?
  • Welches Feedback brauchen die Anleger, um aus ihren Anlagefehlern zu lernen und beim nächsten Mal bessere Entscheidungen zu treffen?
Must-Read Literatur

McCabe, Catilin. “Markets: Robinhood to Remove Controversial Digital Confetti From Trading App – The confetti, which critics alleged was a gamification strategy, will be replaced with new designs.” The Wall Street Journal (2021) [available at Robinhood to Remove Controversial Digital Confetti From Trading App – WSJ]

Popper, Nathaniel. “Robinhood Has Lured Young Traders, Sometimes With Devastating Results.” The New York Times (2021) [available at Robinhood Has Lured Young Traders, Sometimes With Devastating Results – The New York Times (nytimes.com)]

TipRanks. “Why GameStop Stock (NYSE:GME) Remains a Newbie Investment.” Nasdaq (2022) [available at Why GameStop Stock (NYSE:GME) Remains a Newbie Investment | Nasdaq]

Weiterführende Literatur

Barber, Brad M. and Odean, Terrance. “Boys Will be Boys: Gender, Overconfidence, and Common Stock InvestmentAuthor(s).” The Quarterly Journal of Economics, Vol. 116, No. 1 (2001): 261-292 [available at http://www.jstor.org/stable/2696449]

Kalda, Ankit and Loos, Benjamin and Previtero, Alessandro and Hackethal, Andreas. “Smart(Phone) Investing? A within Investor-Time Analysis of New Technologies and Trading Behavior.” SAFE Working Paper No. 303 (2021) [available at https://ssrn.com/abstract=3765652]

Odean, Terrance. “Do Investors Trade Too Much?” The American Economic Review, Vol. 89, No. 5 (1999): 1279-1298 [available at http://www.jstor.org/stable/117058]

Siegel, Jeremy J. and Thaler, Richard H. “Anomalies: The Equity Premium Puzzle.” Journal of Economic Perspectives, Vol. 11, No. 1 (1997): 191-200 [available at https://www.jstor.org/stable/2138259]

Hinweis vom YES!-Team

In der Informationsreihe „Wirtschaft verstehen, Zukunft gestalten“ veröffentlicht der Verein für Socialpolitik, einer der größten Vereinigungen von Wirtschaftswissenschaftler:innen aus dem deutschsprachigen Raum, unter dem Slogan „Wirtschaftsthemen – einfach erklärt“ Beiträge prominenter Mitglieder, die aktuelle Fragen unserer Zeit verständlich beantworten. Zu einigen Beiträgen gibt es zusätzlich kurze Videos und/oder Zeitungsartikel.

Besonders interessant für dieses YES!-Thema ist der Beitrag „Vermögen für Alle?“ von Christian Bayer, https://www.socialpolitik.de/de/vermoegen-fuer-alle.

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Das Thema wird betreut von

Alexander Hiller

Foto: Uwe Dettmar / SAFE

Prof. Dr. Alexander Hillert ist Programmdirektor des Research Data Center und Professor für Finance und Data Science am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE. Vor seiner Tätigkeit bei SAFE hatte Hillert die Professur für Nachhaltiges Asset Management am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt inne. Er promovierte an der Graduate School of Economic and Social Sciences der Universität Mannheim.

In seiner Forschung beschäftigt sich Alexander Hillert mit Asset Pricing, Corporate Finance sowie Behavioral Finance. Eine zentrale Fragestellung seiner Forschung ist, wie Kapitalmarktteilnehmer Informationen verarbeiten und interpretieren. Dabei arbeitet er mit Analyseverfahren aus der Computerlinguistik, um auch den Einfluss von textbasierten Informationen auf Kapitalmärkte systematisch zu untersuchen. Seine Arbeiten sind in international renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie „Journal of Financial Economics“ und „Review of Financial Studies“ erschienen.

„Why so serious“: Wie macht das Investieren an der Börse Spaß, ohne dass zu sehr gezockt wird?2023-10-10T13:57:18+02:00

Wie kann eine Ausbildung in der Pflege attraktiver werden?

Wie kann eine Ausbildung in der Pflege attraktiver werden?

von Dr. Monika Senghaas, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Die Zahl der Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Und auch wenn in den Medien und in der öffentlichen Debatte manchmal ein anderes Bild gezeichnet wird: Bislang sind die allermeisten Pflegekräfte in ihrem Beruf geblieben, statt sich eine andere Arbeit zu suchen. Noch schneller als die Zahl der Beschäftigten ist allerdings der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten gestiegen. Bundesweit herrscht in fast allen Bereichen ein Mangel an Pflegefachkräften. Dass offene Stellen nicht oder erst nach längerer Zeit besetzt werden können, gehört in vielen Einrichtungen zum Alltag.

Für die Beschäftigten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten bedeutet der Personalmangel eine zusätzliche Belastung. Sie leiden bei der Arbeit unter Zeitdruck und müssen häufiger als sonst nachts oder am Wochenende arbeiten oder kurzfristig einspringen. So verstärkt der Personalmangel die ohnehin starke Belastung in Pflegeberufen. Eine Arbeit in der Pflege erscheint vielen nicht attraktiv. Doch gerade jetzt ist es wichtig, dass Menschen eine Ausbildung in Pflegeberufen absolvieren. Nur auf diese Weise lässt sich die Personalsituation in der Pflege verbessern.

  • Was hält junge Menschen von einer Ausbildung im Pflegeberuf ab und wie können diese Hindernisse überwunden werden?
  • Wie können Quereinsteiger – also Menschen, die zuvor einen anderen Beruf ausgeübt haben – zu einem Einstieg in die Pflege motiviert werden?
  • Was sind attraktive Angebote, um Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungen in der Pflege zu finden?
  • Wie können Ausbildungsbedingungen verbessert und Abbrüche von Ausbildungen in der Pflege verhindert werden?

Diesen und ähnlichen Fragen kann ein YES!-Projekt nachgehen

Must-Read Literatur

Fuchs, M.; Sujata, U.; Weyh, A. (2022) Struktur und Dynamik der Beschäftigung in Pflegeberufen. In: BKK Gesundheitsreport 2022. Pflegefall Pflege? Hrsg. von F. Knieps und H Pfaff, S. 228-236. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. https://www.bkk-dachverband.de/publikationen/bkk-gesundheitsreport/bkk-gesundheitsreport-2022

Weiterführende Literatur

Carstensen, J.; Seibert, H.; Wiethölter, D. (2022): Entgelte von Pflegekräften 2021. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Aktuelle Daten und Indikatoren. https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/Entgelte_von_Pflegekraeften_2021.pdf

Ebbinghaus, Margit (2022): Pflege? Damit kann ich mit (nicht) sehen lassen … Zum Image von Pflegeberufen und seiner Bedeutung für die Berufswahl Jugendlicher. Forschungs- und Arbeitsergebnisse aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung, 1/2022. https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/17936

Schmucker, R. (2020): Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen. In: K. Jacobs; A. Kuhlmey; S. Greß; J. Klauber; A. Schwinger (Hrsg.), Pflege-Report 2019, Berlin/Heidelberg: Springer, 49-60. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-58935-9

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2023): Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich, Nürnberg. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Generische-Publikationen/Altenpflege.pdf?\_\_blob=publicationFile&v=7

ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (2022): Ausbildungsreport Pflegeberufe 2021. https://gesundheit-soziales-bildung.verdi.de/themen/reform-der-pflegeausbildung/++co++be127818-4a1a-11ed-8d35-001a4a160111

Video: „Wie hart trifft uns die Pflegekrise?“ https://www.youtube.com/watch?v=qc0UkvcqjhY

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Das Thema wird betreut von

Monika Senghaas

Dr. Monika Senghaas ist Sozialwissenschaftlerin und promovierte an der Universität Leipzig. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAB. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Sozialpolitikforschung. Aktuell beschäftigt sie sich insbesondere mit der Umsetzung von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in der öffentlichen Arbeitsverwaltung und Gerechtigkeitsvorstellungen im Zusammenhang mit Sozialpolitik.

 

 



Wie kann eine Ausbildung in der Pflege attraktiver werden?2023-08-29T09:23:27+02:00

Responsible Innovation, mehr als nur Nachhaltigkeit: Wie kann Innovation nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern zugleich auch soziale und ethische Aspekte berücksichtigen?

Responsible Innovation, mehr als nur Nachhaltigkeit: Wie kann Innovation nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern zugleich auch soziale und ethische Aspekte berücksichtigen?

von Maximilian Bauer und Anna Reith, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Innovationen sind entscheidend für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, den Fortschritt und die Steigerung des Wohlstands. Jedoch führen Innovationen nicht automatisch zu einem gesellschaftlich wünschenswerten und ethisch akzeptablen Ergebnis. (de Hoop, Pols, und Romijn 2016) Es gibt Bereiche, wie zum Beispiel den medizinischen Bereich oder die Agrarindustrie, in denen Innovationen die gesellschaftlichen Erwartungen nicht erfüllen (von Schomberg 2019).

Viele aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sind durch hohe Komplexität gekennzeichnet, und die Bewältigung dieser aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen erfordert neue Wege der Innovation. Dies hat zur Entwicklung verschiedener Ansätze geführt, unter denen auch der Ansatz der verantwortungsbewussten Innovation, bekannt als Responsibe Innovation (RI), zu finden ist. (de Hoop, Pols, und Romijn 2016)

Responsible Innovation ist ein transparenter, interaktiver Prozess, in dem gesellschaftliche Akteure und Innovatoren aufeinander eingehen, um die ethische Akzeptanz, die Nachhaltigkeit und die gesellschaftliche Erwünschtheit des Innovationsprozesses und seiner marktfähigen Produkte zu gewährleisten und so eine angemessene Verankerung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts in unserer Gesellschaft zu ermöglichen (von Schomberg 2013).

Stilgoe, Owen, und Macnaghten (2013) charakterisieren RI anhand eines vierdimensionalen Rahmens, welchen Burget, Bardone, und Pedaste (2017) um die beiden Dimensionen „Fürsorge“ und „Nachhaltigkeit“ erweitert haben:

1. Antizipation:
Antizipation erfordert, dass Organisationen die Auswirkungen von Innovationen systematisch und vorausschauend bewerten. Dabei werden mögliche Konsequenzen im Vorfeld analysiert, um Chancen zu erkennen und potenzielle Risiken zu minimieren. Durch eine frühzeitige Identifikation von Risiken kann auf diese eingegangen und präventive Maßnahmen ergriffen werden, um unerwünschte Folgen zu verhindern.

2. Reflexivität:
Reflexivität beinhaltet eine kontinuierliche Überwachung der Innovation und ihrer Auswirkungen. Es ist wichtig, Input von unterschiedlichen Quellen zu sammeln, Annahmen zu überprüfen und Realitäten zu verfolgen. Auf diese Weise kann der Innovationsprozess kritisch reflektiert werden, um sicherzustellen, dass er den sozialen und ethischen Standards entspricht. Durch eine offene und transparente Kommunikation können etwaige Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden.

3. Einbeziehung:
Die Einbeziehung aller Stakeholder ist ein zentraler Aspekt von RI. Interessengruppen, die von Innovationen betroffen sind oder einen Beitrag leisten können, müssen aktiv in den Innovationsprozess eingebunden werden. Dies schafft eine breite Basis für die Entscheidungsfindung und gewährleistet, dass verschiedene Perspektiven und Bedenken berücksichtigt werden.

4. Reaktionsfähigkeit:
Reaktionsfähigkeit bedeutet, auf neue Erkenntnisse zu reagieren und den Innovationsprozess entsprechend anzupassen. Während der Umsetzung können neue Informationen und Erfahrungen gesammelt werden, die es erlauben, Innovationen kontinuierlich zu verbessern. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind daher wichtige Eigenschaften, um auf unvorhergesehene Entwicklungen angemessen reagieren zu können.

5. Fürsorge:
Fürsorge betont die Berücksichtigung von Mitgefühl in der Innovationspraxis. Dies schließt die Wahrung der Gesundheit, Sicherheit und des Wohlbefindens der Menschen ein, die von Innovationen betroffen sind, sowie den Schutz der Umwelt. Es geht darum, ethische Prinzipien und moralische Verantwortung in den Innovationsprozess zu integrieren und sicherzustellen, dass die Interessen und Bedürfnisse der Betroffenen angemessen berücksichtigt werden.

6. Nachhaltigkeit:
Nachhaltigkeit bezieht sich auf die Langlebigkeit von Innovationen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Innovationen nicht nur kurzfristige Vorteile bieten, sondern auch langfristig tragfähig sind und keine negativen Auswirkungen auf künftige Generationen haben. Die Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte gewährleistet eine verantwortungsvolle und nachhaltige Innovationspraxis.

Die Motivation für dieses Projekt liegt in der Erkenntnis, dass Innovation nicht nur nachhaltig sein sollte, sondern auch verantwortungsvoll. Verantwortungsvolle Innovation zeichnet sich dadurch aus, dass neben den technischen und wirtschaftlichen Aspekten auch soziale, ethische und ökologische Auswirkungen, die sowohl heute als auch in Zukunft relevant sind, bewertet werden (Burget, Bardone, und Pedaste 2017). RI geht über die reine Nachhaltigkeit hinaus, indem es zusätzlich die Dimensionen der Einbeziehung aller beteiligten Steakholder und der ethischen Fürsorge berücksichtigt.

Angesichts der stetig wachsenden Komplexität und globalen Vernetzung von Innovationen ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle relevanten Akteure in den Innovationsprozess integriert werden. Hierbei spielen Innovations-Ökosysteme (Innovation Ecosystems) eine wichtige Rolle, da sie das komplexe Netzwerk aus Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen bilden, die an der Generierung und Verbreitung von Innovationen beteiligt sind. RI ist eng mit Innovation Ecosystems verbunden (Stahl 2022), da es darauf abzielt, alle Stakeholder in den Innovationsprozess einzubeziehen. Durch eine enge Zusammenarbeit und einen regen Austausch innerhalb des Ecosystems können Synergien genutzt und die Verbreitung von verantwortungsbewussten Innovationen gefördert werden. RI ermöglicht es, dass Innovationen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext eingebettet sind.

Das Projekt zielt darauf ab, ein tieferes Verständnis von Responsible Innovation und seinen sechs Dimensionen zu vermitteln. Die Schüler:innen sollen die Bedeutung von verantwortungsbewusster Innovation verstehen und untersuchen, wie verschiedene Akteure in einem Innovation Ecosystem zusammenwirken können, um nachhaltige und gesellschaftlich relevante Innovationen zu fördern.

Praxisorientiertes Beispiel einer Responsible Innovation:
Ein eindrucksvolles Beispiel für Responsible Innovation ist die Entwicklung eines autonomen öffentlichen Nahverkehrssystems. Bei der Konzeption dieses Systems wurden alle sechs Dimensionen von Responsible Innovation (RI) berücksichtigt.

1. Antizipation: Experten für Verkehr, Stadtplanung und Umweltschutz analysierten mögliche Auswirkungen des autonomen Verkehrs auf die Mobilität der Bevölkerung und die Reduzierung von Emissionen. Dabei wurden auch potenzielle Risiken und Herausforderungen erkannt.<

2. Reflexivität: Während der Implementierung wurden regelmäßig Daten gesammelt, um die Auswirkungen des autonomen Nahverkehrssystems auf den Verkehrsfluss, die Sicherheit und die Zufriedenheit der Nutzer zu überprüfen. Auf Grundlage dieser Informationen wurden kontinuierlich Verbesserungen vorgenommen.

3. Einbeziehung: Die Entwicklung des Systems erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, Verkehrsbetrieben, Bürgervertretern, Umweltschutzorganisationen und Technologieunternehmen. Alle Interessengruppen wurden angehört, um ihre Bedürfnisse und Anliegen zu verstehen und angemessen zu berücksichtigen. Alle Steakholder des Innovation Ecosystems wurden zu jedem Zeitpunkt in den Innovationsprozess einbezogen.

4. Reaktionsfähigkeit: Während des laufenden Betriebs wurden Feedbackschleifen eingerichtet, die es ermöglichten, auf die Bedürfnisse der Bürger schnell zu reagieren. Dies führte zu Anpassungen im Fahrplan, der Streckenführung und der technischen Verbesserung der autonomen Fahrzeuge.

5. Fürsorge: Die Entwickler legten großen Wert auf die Sicherheit der Passagiere und anderer Verkehrsteilnehmer. Um Unfälle zu minimieren, wurden innovative Technologien zur Kollisionsvermeidung integriert und strenge Sicherheitsrichtlinien eingeführt.

6. Nachhaltigkeit: Das autonome Nahverkehrssystem wurde als langfristige Lösung konzipiert, um die Abhängigkeit von privaten Autos zu reduzieren und den CO2-Ausstoß zu verringern. Es wurde darauf geachtet, dass die Technologie und die verwendeten Materialien umweltverträglich sind und die Wartung nachhaltig gestaltet wird.

Die erfolgreiche Einführung dieses autonomen Nahverkehrssystems zeigt, wie Responsible Innovation dazu beitragen kann, eine zukunftsfähige und gesellschaftlich akzeptierte Lösung zu schaffen. Durch die umfassende Berücksichtigung aller relevanten Interessengruppen im Innovations-Ökosystem und die Einbindung von Experten aus verschiedenen Bereichen wurde ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Innovationsergebnis erzielt, das nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch vorteilhaft ist.

Die 5 Schritte des Innovationsprozesses:Die 5 Schritte des Innovationsprozesses

Potenzielle Steakholder in einem Innovation Ecosystem:

Wie können Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine effektive und inklusive Einbindung aller relevanten Stakeholder in alle Schritte des Innovationsprozess sicherstellen?

Welche Mechanismen und Strategien können entwickelt werden, um sicherzustellen, dass die Perspektiven und Bedenken aller Interessengruppen zu allen Zeitpunkten des Innovationsprozesses angemessen berücksichtigt werden?

Ziel: Erstellung einer Case Study eines selbst gewählten Beispiels.

Must-Read Literatur

Von Schomberg, René (2019), “Why Responsible Innovation?,” in International Handbook on Responsible Innovation. A global resource, René von Schomberg und Jonathan Hankins, Hrsg. Cheltenham, UK, Northampton, MA: Edward Elgar, 12–32.

https://philarchive.org/archive/VONWRI

Weiterführende Literatur

Burget, Mirjam, Emanuele Bardone, und Margus Pedaste (2017), “Definitions and Conceptual Dimensions of Responsible Research and Innovation: A Literature Review,” Science and engineering ethics, 23 (1), 1–19.

https://www.researchgate.net/publication/301506781_Definitions_and_Conceptual_Dimensions_of_Responsible_Research_and_Innovation_A_Literature_Review

De Hoop, Evelien, Auke Pols, und Henny Romijn (2016), “Limits to responsible innovation,” Journal of Responsible Innovation, 3 (2), 110–134.

https://doi.org/10.1080/23299460.2016.1231396

Jarmai, Katharina, Adele Tharani, und Caroline Nwafor (2020), “Responsible Innovation in Business,” in Responsible Innovation. Business Opportunities and Strategies for Implementation. Springer eBook Collection, Katharina Jarmai, Hrsg. Dordrecht: Springer Netherlands; Imprint Springer, 7–17.

https://www.researchgate.net/publication/337742005_Responsible_Innovation_in_Business

Stahl, Bernd C. (2022), “Responsible innovation ecosystems: Ethical implications of the application of the ecosystem concept to artificial intelligence,” International Journal of Information Management, 62, 102441.

https://doi.org/10.1016/j.ijinfomgt.2021.102441

Stilgoe, Jack, Richard Owen, und Phil Macnaghten (2013), “Developing a framework for responsible innovation,” Research Policy, 42 (9), 1568–1580.

https://doi.org/10.1016/j.respol.2013.05.008

von Schomberg, René (2013), “A Vision of Responsible Research and Innovation,” in Responsible innovation. Managing the Responsible Emergence of Science and Innovation in Society, Richard Owen, John Bessant und Maggy Heintz, Hrsg. Chichester: Wiley, 51–74.

https://www.researchgate.net/publication/261035849_A_Vision_of_Responsible_Research_and_Innovation

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Das Thema wird betreut von

Maximilian Bauer

Maximilian Bauer ist Doktorand am Lehrstuhl für Innovation and Creativity und MBA Program Manager an der WFI – Ingolstadt School of Management an der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt (KU). Er hat einen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Internationales Management und einen Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marktorientierte Unternehmensführung von der WFI. Während seines Bachelorstudiums studierte er im Ausland an der Pontificia Universidad Javeriana in Cali, Kolumbien, und während seines Masterstudiums war er Teil des MBA-Programms an der University of California in Davis.

Sein Forschungsziel ist die Entwicklung managementrelevanter Theorien und Empfehlungen in den Bereichen Innovations- und Wachstumsstrategien, digitale Transformation und Well-Being. Seine Expertise liegt in den Bereichen Open Innovation und Innovationsstrategien in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Anna Reith

Anna Reith ist Doktorandin am Lehrstuhl für Innovation and Creativity an der WFI – Ingolstadt School of Management an der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt (KU). Sie hat einen Bachelorabschluss in International Management von der FOM und einen Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marktorientierte Unternehmensführung von der WFI.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Innovationstrategien, Open Innovation, Sustainable Innovation und Innovation and Digitalisierung.

Responsible Innovation, mehr als nur Nachhaltigkeit: Wie kann Innovation nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern zugleich auch soziale und ethische Aspekte berücksichtigen?2023-11-22T16:08:06+01:00

Bildungs(un)gerechtigkeit in Deutschland: Wie kann man Chancengleichheit im Bildungswesen für Kinder verbessern?

Bildungs(un)gerechtigkeit in Deutschland: Wie kann man Chancengleichheit im Bildungswesen für Kinder verbessern?

von Vera Freundl, Katharina Wedel, Raphael Brade und Moritz Seebacher, ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München

Bildung ist essentiell, um Kompetenzen zu vermitteln und die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. So führt jedes zusätzliche Bildungsjahr zu etwa 10% mehr Einkommen (Hanushek et al., 2015). Ebenso hängt Bildung positiv mit der Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit zusammen (Oreopoulos und Salvanes 2011). Bei einer ungerechten Chancenverteilung ist der Zugang zu den positiven Erträgen von Bildung jedoch nicht für alle Personen gleichermaßen gegeben und die Schere zwischen Besser- und Schlechterverdienenden kann dauerhaft auseinander klaffen.

Wir verstehen unter Chancenungleichheit, wenn Bildungserfolg von Dimensionen abhängt, die nicht von der individuellen Person beeinflusst werden können (z. B. Geschlecht, Herkunft oder familiärer Hintergrund; Roemer und Trannoy, 2016). Auch in Deutschland ist Bildungsungerechtigkeit ein Problem, das oft bereits im Kindesalter auftritt: Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liegt bei 21,5 %, wenn ein Kind mit einem alleinerziehenden Elternteil ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel und mit Migrationshintergrund aufwächst. Wenn ein Kind hingegen mit zwei Elternteilen mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel und ohne Migrationshintergrund aufwächst, liegt sie bei 80,3 % (Wößmann et al., 2023).

Die Forschung zeigt, dass es Möglichkeiten gibt, um Chancenungleichheit entgegenzuwirken. Leistungsschwächere Schüler:innen profitieren von einer späteren Aufteilung in unterschiedliche weiterführende Schulen (Matthewes, 2020; Piopiunik 2013) und die Teilnahme an einem Mentoringprogramm erhöht bei sozial benachteiligten Grundschulkindern die Wahrscheinlichkeit für einen Gymnasialbesuch (Falk et al., 2020). Im frühkindlichen Bereich kann eine personalisierte Unterstützung die Kita-Inanspruchnahme von bildungsferneren Familien deutlich erhöhen (Hermes et al., 2021).

Die Idee dieses YES-Themas ist es, eine konkrete Maßnahme zu entwickeln, die mehr Chancengerechtigkeit für Kinder in eurer Umgebung (Kindertagesstätten, Kindergarten, Schule, Freizeit) herstellen kann. Die Initiative kann auch auf die Besonderheiten eurer Umgebung abgestimmt sein – beispielsweise durch eine Zusammenarbeit mit lokalen Firmen, Institutionen, Politiker:innen oder Universitäten. Eure Idee kann sich sowohl auf den Schulalltag als auch auf den Alltag in der Nachbarschaft beziehen.

Mögliche Fragestellungen:

  • Was versteht ihr unter Bildungsungerechtigkeit und Chancenungleichheit?
  • Habt ihr Bildungsungerechtigkeit in der Kindheit schon selbst oder in eurem Umfeld erlebt?
  • Welche anderen Maßnahmen fallen euch ein, um Chancengleichheit im Bildungswesen zu verbessern?
  • Wie können solche Initiativen langfristig, inklusiv und fair umgesetzt werden?
  • Welcher Nutzen entsteht kurz- und langfristig, welche Kosten (Zeit, Geld, Prozessänderungen, …)?
  • Wie könnte man diese Maßnahmen an eurer Schule / in eurem Umfeld / in Deutschland umsetzen?
Must-Read Literatur

Wößmann, L., F. Schoner, V. Freundl und F. Pfaehler (2023). Der ifo-„Ein Herz für Kinder“- Chancenmonitor: Wie (un-)gerecht sind die Bildungschancen von Kindern aus verschiedenen Familien in Deutschland verteilt? _ifo Schnelldienst_ 76(4), S. 29-47, 2023. https://www.ifo.de/publikationen/2023/aufsatz-zeitschrift/der-ifo-ein-herz-fuer-kinder-chancenmonitor

Weiterführende Literatur

Falk, A., F. Kosse und P. Pinger (2020). Chancengleichheit im Bildungssystem: Wie sich ein Mentorenprogramm auf die Schulwahl auswirkt. _Ökonomenstimme_. Abrufbar unter https://www.oekonomenstimme.org/articles/1704.

Hanushek, E. A., Schwerdt, G., Wiederhold, S. und Wößmann, L. (2015). Returns to Skills around the World: Evidence from PIAAC. _European Economic Review _73, S. 103-130. https://www.ifo.de/DocDL/WP_30002014001000.pdf

Hermes, H., P. Lergetporer, F. Peter, S. Wiederhold und V. Freundl (2021). Bewerbungsunterstützung erhöht die Kita-Inanspruchnahme von Kindern aus bildungsferneren Familien. _ifo Schnelldienst _74(9), S. 41-45. https://www.ifo.de/DocDL/sd-2021-09-lergetporer-etal-bewerbungsunterstuetzung-kita_0.pdf

Matthewes, S. H. (2020). Längeres gemeinsames Lernen macht einen Unterschied. _WZBrief Bildung _40, S. 1-9. Abrufbar unter https://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung402020_matthewes.pdf

Oreopoulos, P. und K. G. Salvanes (2011). Priceless: The Nonpecuniary Benefits of Schooling. _Journal of Economic Perspectives_ 25(1), 159–184. (wird zur Verfügung gestellt)

Piopiunik, M. (2013). Die Einführung der sechsstufigen Realschule in Bayern: Evaluierung der Auswirkungen auf die Schülerleistungen. _ifo Schnelldienst _66(3), S. 22-28. https://www.ifo.de/publikationen/2013/aufsatz-zeitschrift/die-einfuehrung-der-sechsstufigen-realschule-bayern

Roemer, J. E. und A. Trannoy (2016). Equality of Opportunity: Theory and Measurement. _Journal of Economic Literature _54(4), S. 1288–1332. (wird zur Verfügung gestellt)

Hinweis vom YES!-Team

In der Informationsreihe „Wirtschaft verstehen, Zukunft gestalten“ veröffentlicht der Verein für Socialpolitik, einer der größten Vereinigungen von Wirtschaftswissenschaftler:innen aus dem deutschsprachigen Raum, unter dem Slogan „Wirtschaftsthemen – einfach erklärt“ Beiträge prominenter Mitglieder, die aktuelle Fragen unserer Zeit verständlich beantworten. Zu einigen Beiträgen gibt es zusätzlich kurze Videos und/oder Zeitungsartikel.

Besonders interessant für dieses YES!-Thema ist der Beitrag „Bildung: Schlüssel für Wachstum und sozialen Aufstieg?“ von Katharina Spieß, https://www.socialpolitik.de/de/bildung-schluessel-fuer-wachstum-und-sozialen-aufstieg.

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Vera Freundl

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Vera Freundl ist Fachreferentin am Zentrum für Bildungsökonomik des ifo Instituts, München. Sie ist für das Forschungsmanagement des Bereichs zuständig und arbeitet z. B. zu Chancengerechtigkeit in der Bildung und zu repräsentativen Meinungsumfragen über Bildungspolitik in Deutschland.

Katharina Wedel

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Katharina Wedel ist Doktorandin am Zentrum für Bildungsökonomik des ifo Instituts in München. In ihrer Forschung untersucht sie die Wirksamkeit eines Mentoring-Programms für Schüler und Schülerinnen in Deutschland sowie Determinanten von Schülerleistungen, insbesondere den Einfluss von Unterrichtszeit.

Raphael Brade

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Raphael Brade ist Postdoc am ifo Zentrum für Bildungsökonomik am ifo Institut in München und hat an der Georg-August-Universität Göttingen promoviert. In seiner Forschung beschäftigt er sich insbesondere mit der Frage, ob verhaltensökonomisch motivierte Maßnahmen und Informationsangebote wie freiwillige Zielvereinbarungen und relative Leistungsvergleiche den Studienerfolg von Studierenden erhöhen können.

Moritz Seebacher

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Moritz Seebacher ist Doktorand am Zentrum für Bildungsökonomik des ifo Instituts in München. Seine Forschung beschäftigt sich mit der Rolle von Bildung auf dem Arbeitsmarkt und dem Zugang zu Bildung in Entwicklungsländern.

Bildungs(un)gerechtigkeit in Deutschland: Wie kann man Chancengleichheit im Bildungswesen für Kinder verbessern?2023-10-10T13:09:07+02:00

Disrupting the system – How can students drive policies regarding the role of AI in their school and society?

Disrupting the system – How can students drive policies regarding the role of AI in their school and society?

von Dustin Eirdosh, Ph.D. und Dr. Susan Hanisch, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Dieses Thema kann im Kick-Off und im Fachgespräch nur auf Englisch bearbeitet werden.

Artificial Intelligences (AI) are becoming more deeply a part of our society at a very rapid pace. They are what are considered “disruptive technologies” – i.e. technologies that fundamentally change society and people’s lives. How will or should AI change schools and education systems – such as the curriculum, teaching and learning practices, learning goals and assessment as well as the way schools are organized?

Many educational experts regard current school systems to be outdated and not well adapted to 21st century needs and opportunities. So how can the emergence of AI “disrupt” current school systems in a positive way, how can it be a factor that accelerates the evolution of schools such that schools can foster motivation, meaningful learning, positive relationships, and success of students and teachers in the 21st century?

Such questions cannot be answered by high level policy makers alone, but it requires the participation and input of all school stakeholders – including students, teachers, parents themselves. In order to participate in such decisions and in order to make sure that AI can have positive impacts on schools, stakeholders need to know certain things about AI and need to be able to explore how AI is affecting their school community.

How can _students _become drivers of these discussions, of policies and practices regarding the uses of AI in their school and community? What do students need to know about these trends, in order to be leaders in this discussion?

In this project topic, students can look at the big trends and societal questions about AI technologies and their role in education, and explore solutions to how schools can more effectively help students and teachers navigate these emerging and near future issues.

How can schools ensure their curriculum and practical opportunities for students are adequate to the societal changes driven by AI technologies?

  • What skills do students and teachers need for an AI-influenced future?
  • How is our school working to support these skills? In what ways could/should our school or education system support these skills?
  • What changes need to happen on the level of standard curriculum and exams in order to integrate AI as a useful tool for learning and assessment (rather than viewing it as a tool for cheating and prohibiting its use)

How can schools form a Community Science Lab to study and influence the long-term impact of AI on their students, teachers, and school community as a whole? For example, exploring questions like:

  • What attitudes do teachers, parents, policy makers, and students (at our school and beyond) have around the strengths and potential as well as harmful effects of AI on teaching and learning?
  • How and for what purposes are AI used by teachers and students?
  • How does the use of AI change (views on) teaching, learning and assessment at our school?
  • How can schools ensure their curriculum and practical opportunities for students are adequate to the societal changes driven by AI technologies?
Must-Read Literatur

The future of education in a world of AI – by Ethan Mollick https://www.oneusefulthing.org/p/the-future-of-education-in-a-world

The Homework Apocalypse – by Ethan Mollick https://www.oneusefulthing.org/p/the-homework-apocalypse

Weiterführende Literatur

Artificial intelligence in education | UNESCO https://www.unesco.org/en/digital-education/artificial-intelligence

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Dustin Eirdosh

Dr. Eirdosh ist Educational Innovation Coordinator an der Abteilung für vergleichende Kulturpsychologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Er beschäftigt sich damit, welche Bedeutung wissenschaftliche Erkenntnisse zu menschlichem Verhalten und menschlicher Evolution auf Schule und Bildung im 21. Jahrhundert haben.

Susan Hanisch

Dr. Susan Hanisch ist Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Leipzig. In ihrer Forschung und Bildungsarbeit befasst sie sich mit Bildung für nachhaltige Entwicklung und partizipativer Schulentwicklung, und welche Rolle wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und menschliche Evolution dabei spielen können.

Disrupting the system – How can students drive policies regarding the role of AI in their school and society?2023-08-29T09:17:36+02:00

Error 404: Zukunftsfähige Rente not found – Wie soll das deutsche Rentensystem gestaltet werden?

Error 404: Zukunftsfähige Rente not found – Wie soll das deutsche Rentensystem gestaltet werden?

von Nina Weber, Ph.D., Fabian Böhme, Anne Steuernagel und Julia Freuding, ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München

Die gesetzliche Rente in Deutschland wird über ein Umlagesystem finanziert. Das bedeutet, die erwerbstätige Bevölkerung finanziert die Renten der heutigen Rentner:innen. Dahinter steht ein Generationenvertrag, dass in Zukunft die nächsten Generationen wiederum die Renten der heutigen Erwerbstätigen finanzieren werden. Bei steigender Lebenserwartung und niedrigen Geburtenraten führt das zunehmend zu demographischen Herausforderungen. Insbesondere steht der Renteneintritt der geburtenstarken Babyboomer-Generation kurz bevor, was nochmal zu einem Anstieg der Rentner:innen im Verhältnis zu Beitragszahler:innen führen wird. Als Konsequenz dieser Entwicklungen ist das Rentenniveau in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken (BPB 2022). Gleichzeitig sehen sich vor allem junge Menschen mit großer Unsicherheit konfrontiert, wie in Zeiten der fortschreitenden Klimakrise und internationaler Instabilität ihre eigene Altersabsicherung überhaupt funktionieren soll.

Klar ist, unser Rentensystem hat großen Reformbedarf: Eine staatliche Rente allein reicht zunehmend nicht mehr aus, um Altersarmut zu verhindern, geschweige denn, um den eigenen Lebensstandard im Alter zu halten. Die Lücke sollen betriebliche und private Altersvorsorge schließen. Dabei wird individuelle Verantwortung gegenüber kollektiver Vorsorge betont. Dem steht eine Mehrheit von über zwei Dritteln in der Bevölkerung entgegen, die sich dafür ausspricht Altersvorsorge weiterhin vorwiegend staatlich zu organisieren (DGB 2023). Wie aber passt das zusammen? Wie können staatliche, betriebliche und private Altersabsicherung in Zukunft zusammen funktionieren? Und wie kann die zusätzliche Belastung der steigenden Lebenserwartung zwischen den Generationen gerecht verteilt werden?

Es werden verschiedene Reformen diskutiert. Dazu zählen ein höheres Rentenalter, höhere Beiträge sowie mehr Steuergelder aus dem Bundeshaushalt, um Renten zu bezuschussen. Alle diese Reformoptionen würden Erwerbstätige zusätzlich belasten. Andere Reformvorschläge sprechen sich hingegen für eine Kürzung der Rentenbezüge aus, teilweise in Kombination mit stärkeren Anreizen für betriebliche und private Vorsorge.

Mögliche Fragestellungen:

  • Wie also können wir generationengerecht die finanzielle Nachhaltigkeit des Rentensystems gewährleisten?
  • Welche gesellschaftlichen Herausforderungen belasten das deutsche Rentensystem?
  • Wer soll für die Rente verantwortlich sein: Staat vs. Selbstverantwortung?
  • Tragfähigkeit der Rente: Wie nachhaltig ist das Rentensystem insbesondere in Zeiten von Krisen? Und unter Anbetracht des demografischen Wandels?
  • Was soll die staatliche Rente leisten: Armutsverhinderung oder Lebensstandard absichern?
  • Ist unser aktuelles System (noch) generationengerecht?
  • Wo sollten Rentenreformen ansetzen: Beim Rentenalter, bei den Beitragssätzen, der Erwerbsbeteiligung, bei den Steuersubventionen, bei der Gestaltung der Rentenformel etc.?
  • Inwieweit wünschen sich junge Leute Aufklärung über die Rente? Inwieweit beschäftigen sie sich mit ihrer eigenen Altersabsicherung?
Must-Read Literatur

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB). (2023). *Alterssicherung in Deutschland: Herausforderungen und Erwartungen*. Befragung durchgeführt von Kantar Public https://www.dgb.de/presse/++co++36ecb6cc-adf3-11ed-9c00-001a4a160123

Finthammer, V., Voigt, N, dpa, og. (2022). *Vorschläge zur Reform der Altersvorsorge. Wie können die Renten finanzierbar bleiben?*. Deutschlandfunk.de. https://www.deutschlandfunk.de/reform-der-altersvorsorge-rente-deutschland-100.html

Weiterführende Literatur

Kröger, M., dpa-AFX (2023). *Fast 70 Prozent der Babyboomer wünschen sich vorzeitigen Berufsausstieg*. DER SPIEGEL. https://www.spiegel.de/wirtschaft/rente-fast-70-prozent-der-babyboomer-wuenschen-sich-vorzeitigen-berufsausstieg-a-759f735f-1b9e-4476-92be-9b49652895e5

Müller, D. (2021). *DIW-Präsident zu Rentenstabilisierung – „Meine Sorge ist, dass viele Menschen in Altersarmut fallen“*. Interview im Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/diw-praesident-zu-rentenstabilisierung-meine-sorge-ist-dass-100.html

Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). (2022). *Soziale Situation in Deutschland. Entwicklung des Rentenniveaus (GRV)*. https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61842/entwicklung-des-rentenniveaus-grv/

Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). *Rentenpolitik. Infografiken Überblicksseite* https://www.bpb.de/themen/soziale-lage/rentenpolitik/289852/infografiken/

Hinweis vom YES!-Team

In der Informationsreihe „Wirtschaft verstehen, Zukunft gestalten“ veröffentlicht der Verein für Socialpolitik, einer der größten Vereinigungen von Wirtschaftswissenschaftler:innen aus dem deutschsprachigen Raum, unter dem Slogan „Wirtschaftsthemen – einfach erklärt“ Beiträge prominenter Mitglieder, die aktuelle Fragen unserer Zeit verständlich beantworten. Zu einigen Beiträgen gibt es zusätzlich kurze Videos und/oder Zeitungsartikel.

Besonders interessant für dieses YES!-Thema ist der Beitrag  „Der demografische Wandel: Überlastung für die Jungen?“ von Martin Werding, https://www.socialpolitik.de/de/der-demografische-wandel-ueberlastung-fuer-die-jungen.

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Nina Weber

Foto: ifo Institut

Nina Weber, Ph.D. arbeitet seit Mai 2023 als Postdoc am Ludwig Erhard ifo Zentrum für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik in Fürth. Sie hat in Politischer Ökonomie am King‘s College London promoviert. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der experimentellen Ökonomik und der Verhaltensökonomik mit einem Schwerpunkt auf soziale Präferenzen und prozessuale Fairness.

Fabian Böhme

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Fabian Böhme arbeitet seit Mai 2023 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ludwig Erhard ifo Zentrum für soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik in Fürth. In seiner Abschlussarbeit untersuchte er den Einfluss des deutschen Steuersystems auf die Arbeitsmarktpartizipation von Grundsicherungsempfängern. Zu seinen Forschungsinteressen gehören die Auswirkungen des Steuersystems auf den Arbeitsmarkt sowie die Gründe und Wahrnehmung von Ungleichheit und sozialem Aufstieg.

Anne Steuernagel

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Anne Steuernagel arbeitet seit September 2022 als Doktorandin am Ludwig Erhard ifo Zentrum für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik und promoviert an der FAU Erlangen-Nürnberg. Sie forscht zu Themen der Arbeitsmarktökonomik, Ungleichheit und zum demographischen Wandel.

Julia Freuding

Foto: ifo Institut

Julia Freuding ist seit Januar 2023 als Doktorandin am Ludwig Erhard ifo Zentrum für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik in Fürth beschäftigt. Als Teil ihrer Promotion forscht sie zu verhaltens- und arbeitsmarktökonomischen Themen. Zuvor war sie als Arbeitsmarkt-Spezialistin am ifo an der Konjunkturumfrage und an der HR-Befragung beteiligt.

Error 404: Zukunftsfähige Rente not found – Wie soll das deutsche Rentensystem gestaltet werden?2023-10-10T13:05:57+02:00

Die Herausforderungen unserer Zeit lösen – entdecke den/die Social Entrepreneur in dir!

Die Herausforderungen unserer Zeit lösen – entdecke den/die Social Entrepreneur in dir!

von Tanja Stitteneder und Clara Albrecht, ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München

Social Enterprises (Sozialunternehmen) haben zum Zeil mit neuartigen Ideen, Konzepten, Produkten oder Dienstleistungen, gesellschaftliche Herausforderungen an-zugehen und positive soziale Veränderungen herbeizuführen. Im Gegensatz zu traditionellen Unternehmen steht bei Sozialunternehmen der gesellschaftliche (soziale und/oder ökologische) Nutzen im Vordergrund. Dabei bedient sich die Organisation unternehmerischer Mittel und Aktivitäten und es werden demokratische oder partizipative Prinzipien angewendet (Europäische Kommission 2020; SEND 2022).

Sozialunternehmen sind in verschiedenen Bereichen tätig, wie beispielsweise Bildung, Gesundheit, Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Integration von benachteiligten Gruppen oder der Förderung sozialer Gerechtigkeit. Die Förderung sozialer Innovation erfordert nicht nur Zusammenarbeit zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, sondern auch ein Verständnis für ökonomische Prinzipien und Handlungsweisen.

In dieser Challenge schlüpft ihr in die Schuhe einer/s Social Entrepreneurs. Eure Aufgabe besteht darin, ein gesellschaftliches Problem zu erkennen und eine innovative Lösung dafür zu entwickeln. Dabei bedient ihr euch unternehmerischer Mittel. Dies beinhaltet alle Facetten des Social Entrepreneurships, wie die Wahl des Geschäftsmodells, Finanzierung, Wirkung und Umgang und Einbeziehung der Stakeholder. Sucht euch ein Problem aus einem der beiden Bereiche:

1. Nachhaltiger Konsum, z. B. Circular Economy:
Die Kreislaufwirtschaft ist ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf die-se Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert. (Beispiel: https://www.nomadi.de/, https://www.refurbed.de/unternehmen/)

2. Soziale Inklusion, z.B. Integration:
Ist die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Inklusion aller Menschen, wie Beispielsweise die Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft (Beispiel: https://my-buddy.org/, https://www.socialbee.org/, https://www.weisser-rabe.org/)
Eure Lösung kann ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine strukturelle Veränderung sein.

1. Was ist ein geeignetes Geschäftsmodell und warum habt ihr euch dafür entschieden?
2. Wie messt ihr, ob ihr euer gesellschaftliches Ziel erreicht habt (Wirkung; Impact)?
3. Wie finanziert sich euer Unternehmen?
4. Denkt auch über eure Zielgruppe nach: Wen wollt ihr erreichen? Wie erreicht ihr sie am besten? Was motiviert sie? Und wie überzeugt ihr sie von eurem Social Business?
5. Wie kann sozialunternehmerischer Gründungsgeist schon in der (Schul-)Bildung verankert werden?
6. Welche weiteren konkreten Vorschläge habt ihr, um die Sichtbarkeit von Sozialunternehmen zu verbessern?
(7. Wie könnte die Datenbasis über Sozialunternehmen in Deutschland verbessert werden?)

Must-Read Literatur

Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) e.V., 4. Deutscher
Social Entrepreneurship Monitor 2022, https://www.send-ev.de/wp-content/uploads/2022/04/4_DSEM_web.pdf

Dupain, W., K. Scharpe, T. Gazeley, T. Bennett, J. Mair, M. Raith und N. Bosma (2022), The State of Social Enterprise in Europe – European Social Enterprise Monitor 2021–2022, Euclid Network, Den Haag. https://knowledgecentre.euclidnetwork.eu/european-social-enterprise-monitor-2021-2022/?_gl=1*139rfuc*_ga*MjA5OTUzOTk2MC4xNjkxNDkzNzAx*_ga_829YQLNDY5*MTY5MTQ5MzcwMC4xLjAuMTY5MTQ5MzcwMC42MC4wLjA.*_gcl_au*MTY5OTAzMzkyMy4xNjkxNDkzNzAx

Weiterführende Literatur

Ashoka (2019), verfügbar: https://www.ashoka.org/de-de/story/studie-von-ashoka-und-mckinsey-zeigt-milliardenpotenzial-von-sozialen-innovationen

Deutschlandfunkkultur (2021), Social Entrepreneurs – Soziale Wirkung als Geschäftsmodell, verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/social-entrepreneurs-soziale-wirkung-als-geschaeftsmodell-100.html

Europäische Kommission (2020), Sozialunternehmen und ihre Ökosysteme in Europa – Zusammenfassung des Syntheseberichts, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxembur. https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwium8XPgc2AAxVHhqQKHdM4BEgQFnoECB8QAQ&url=https%3A%2F%2Fec.europa.eu%2Fsocial%2FBlobServlet%3FdocId%3D22384%26langId%3Dde&usg=AOvVaw1xKnBjOVjTdrT2pjNXvBR9&opi=89978449 (PDF)

Yahyaoui, Y. (2021), »Social Entrepreneurship – Herausforderung und Bedeutung für die Gesellschaft«, Bundeszentrale für politische Bildung, verfügbar unter: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/im-dienst-der-gesellschaft-2021/329330/social-entrepreneurship/#footnote-reference-13.

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Tanja Stitteneder

Tanja Stitteneder ist seit März 2018 als Fachreferentin am ifo Zentrum für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung tätig. Sie beschäftigt sich mit Themen rund um Migration, Bildung, Institutionen und soziale Innovation.

Clara Albrecht

Clara Albrecht arbeitet als Fachreferentin am ifo Institut im Zentrum für internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Integration und Arbeitsmarkt sowie gender economics.

Die Herausforderungen unserer Zeit lösen – entdecke den/die Social Entrepreneur in dir!2023-08-09T10:52:00+02:00

Keine Klimaneutralität ohne kritische Rohstoffe – Wie kann die Versorgungssicherheit mit Lithium, Kobalt, Seltenen Erden etc. gestärkt werden?

Keine Klimaneutralität ohne kritische Rohstoffe –
Wie kann die Versorgungssicherheit mit Lithium, Kobalt, Seltenen Erden etc. gestärkt werden?

von Olivier Godart, Ph.D., Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel)

Um die Klimaschutzziele zu erreichen und gleichzeitig unabhängiger von fossilen Energieimporten zu werden, setzt die deutsche Bundesregierung auf einen beschleunigten Ausbau von Wind- und Solarenergie. Der Anteil Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch, der 2022 bei 46,2 Prozent lag, soll bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen.1

Für den Ausbau von Windkraft und Solarenergie sowie für die Herstellung von Batterien, Elektromotoren und Brennstoffzellen sind allerdings Rohstoffe notwendig, die importiert werden müssen. Krisen in den vergangenen Jahren haben die Gefahr verdeutlicht, dass die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und sensible Lieferketten die Energiewende verzögern können. Es stellt sich also immer drängender die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Versorgung mit ausreichenden Mengen der besonders kritischen Rohstoffe auf mittlere und lange Sicht sicherzustellen und damit Deutschlands Transformationsprozess zur Klimaneutralität krisenfest zu machen.

1 vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: „Mehr Energie aus erneuerbaren Quellen“, 25.04.2023, https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/klimaschutz/energiewende-beschleunigen-2040310.

Mögliche Fragestellungen:

  • Welche Risiken entstehen für den Transformationsprozess Deutschlands hin zur Klimaneutralität aus Importen von kritischen Rohstoffen?
  • Wie kann der hohe Bedarf an Rohstoffen für die Energiewende mit sozialen und ökologischen Risiken bei der Förderung und Weiterverarbeitung von Mineralien vereinbart werden?
  • Kann Europa ohne China seine Dekarbonisierungsziele erreichen? Welche möglichen Gefahren entstehen aus der Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen und Zwischenprodukten aus nicht demokratischen Ländern?
  • Welchen Beitrag können Ersatzstoffe, Recycling, internationale Kooperationen, die Erschließung neuer Lieferquellen und Lagerhaltung zu einer sicheren Rohstoffversorgung leisten? Welche Maßnahmen sollten für welche Rohstoffe ergriffen werden, um die Energiewende krisenfest zu machen?
Must-Read Literatur

Die Energiewende resilient gestalten https://www.wissenschaftsplattform-klimaschutz.de/de/WPKS-Studie-Energiewende-resilient-gestalten-1793.html

Kritische Rohstoffe: Sichere und nachhaltige Lieferketten für die grüne und die digitale Zukunft der EU gewährleisten https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_23_1661

Weiterführende Literatur

Resilienz der Langfriststrategie Deutschlands zum Klimaschutz (Godart et al., 2023, Zusammenfassung).

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Oliver Godarth

Olivier Godart ist seit 2011 Senior Researcher am Kiel Institut für Weltwirtschaft. Er forscht zu den Ursachen und Folgen internationaler Handel, zu den Ursprüngen und ökonomischen Implikationen von Auslandinvestitionen und zu den Herausforderungen Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Olivier hat an der Nottingham Universität in England promoviert und einen Master von der Paris School of Economics. Seine Forschung ist empirisch ausgerichtet und basiert auf Handel, Firmen und Arbeiter Daten. Olivier hat auch mehrere nationale und internationale Institutionen wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beraten.

 

 



Keine Klimaneutralität ohne kritische Rohstoffe – Wie kann die Versorgungssicherheit mit Lithium, Kobalt, Seltenen Erden etc. gestärkt werden?2023-10-18T10:02:12+02:00
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